Die amerikanisch-britische Koalition hat in der Nacht zum Freitag erneut die irakische Hauptstadt Bagdad bombardiert. Korrespondenten vor Ort zählten zwischen Donnerstag 23.00 Uhr und Freitag 07.00 Uhr (Ortszeit) fünf Angriffswellen. Dabei waren jeweils heftige Detonationen zu hören. Über die Zahl möglicher Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Es handelte sich um das heftigste nächtliche Bombardement seit einer Woche. Dabei wurden auch Ziele im Zentrum Bagdads getroffen. So war eine Auffahrt zur Raschid-Brücke, einer von mehreren Brücken über den Tigris, gesperrt, weil ein großer Bombenkrater das Passieren unmöglich machte. Offenbar sollten unter der Straße verlegte Kommunikationskabel getroffen werden.

Freitag früh waren in Bagdad Detonationen außerhalb des Zentrums zu hören. In mehreren Stadtbezirken funktionierten die Telefone nicht. Wie in den vergangenen Tagen verdunkelkten auch am Freitag Rauchschwaden den Himmel. Sie stammten von brennenden Öllachen. Die Iraker hoffen, mit Hilfe des Rauchs amerikanische Flugzeuge und Raketen abzulenken.

Nach Angaben des amerikanischen Fernsehsenders CNN soll am Freitag ein erstes Schiff mit Hilfslieferungen in der von alliierten Truppen eingenommene südirakische Hafenstadt Umm Kasr eintreffen. Die Ankunft hatte sich verzögert, weil Seeminen gefunden worden waren.

Weiter heftige Kämpfe um Basra

Die südirakische Stadt Basra befindet sich nach den Worten eines britischen Militärsprechers "ganz klar nicht im entferntesten" unter alliierter Kontrolle. Deshalb sei es zur Zeit unmöglich, die Stadt mit Hilfsmitteln zu versorgen, sagte Oberst Chris Vernon am Freitag dem Nachrichtensender Sky News. "Basra ist ganz klar nicht im entferntesten in unserer Hand", sagte er.

Der "Schlüssel" zur Stadt sei es, die Baath-Partei und die unter ihrer Kontrolle operierenden irregulären Kämpfer "auszuradieren". Die britischen Streitkräfte hätten sich dabei selbst keine zeitliche Frist gesetzt. Sie könnten noch nicht sagen, wann sie in die Stadt einrücken würden. Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe in Basra, wenn dort nicht schnellstens die Versorgung der Einwohner mit Wasser und Lebensmitteln sichergestellt wird.

Nach einem CNN-Bericht 1000 bis 2000 Menschen vergeblich versucht haben, aus der südirakischen Stadt Basra zu fliehen. Sie seien von irakischen Kräften unter Beschuss genommen worden und in die Stadt zurückgekehrt. Über mögliche Opfer sei bislang nichts bekannt geworden.

Militärfahrzeuge im Nordirak gelandet

Unterdessen haben US-Truppen in der Nacht zum Freitag mehrere Dutzend Militärfahrzeuge in die nordirakische Kurdenregion gebracht. Die Geländefahrzeuge und Lastwagen wurden eingeflogen und nahe der Landepiste Harir bei Erbil versammelt. Außerdem standen zwei weitere Hubschrauber vom Typ Sea Stallion auf der Landebahn, Panzer waren keine zu sehen.

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