Herr Mürb, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie die Äußerungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zu den Schwaben in Berlin gehört haben?
Ich konnte mir eine klammheimliche Freude nicht verkneifen und stimmte Herrn Thierse innerlich zu. Die Schwaben empfinden ihre Lebensart schon als sehr bestimmend und versuchen, sie überall durchzusetzen. Und darunter leiden offensichtlich nicht nur wir. Auffällig ist auch, dass sich sofort Politiker wie Günther Oettinger (CDU) einmischen und daran erinnern, wie viel Geld die Schwaben über den Länderfinanzausgleich nach Berlin geben. Das verrät doch die Gesinnung. Typisch ist auch, dass dabei vergessen wird zu erwähnen, dass das Geld auch aus Baden kommt.

Thierse hat den Schwaben auch Humorlosigkeit attestiert.
Das kann ich nur bestätigen. Damit habe ich auch meine Erfahrungen gemacht. Als ich mal gesagt habe, dass die Mentalität der Badener durch die Rheinebene und die Nähe zu Frankreich geprägt ist, die der Schwaben dagegen durch ihr Leben in engen Tälern, da habe ich auch viel böse Post bekommen.

Also ist Thierse der neue Verbündete der Badener?
Nicht ganz. Ich wollte ihm schon einen Brief schreiben, um ihn auf ein paar Fehler aufmerksam zu machen. Sein Hinweis, dass er sich durchaus vorstellen kann, in Freiburg oder Konstanz zu wohnen, zeigt leider, dass er nicht viel Ahnung von der Region hat. Die beiden Städte haben soviel mit Schwaben zu tun wie Berlin. Aber das ist leider typisch: Für die Bewohner nördlich der Donau sind alle Baden-Württemberger Schwaben.

Mit Robert Mürb sprach

Ingo Senft-Werner, dpa