Die beiden werden seit Wochen vom Hamburger Verein Sternipark den Medien als Paradebeispiel präsentiert. Denn ohne die Hilfe des Vereins, der 1999 das Projekt Findelbaby ins Leben rief, die erste Babyklappe Deutschlands in Hamburg einrichtete und seit zwei Jahren anonyme Geburten in Krankenhäusern vermittelt, hätte Katja ihr Kind wohl für immer verloren.
„Ich hatte damals Angst vor der Verantwortung und wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte. Ausgesetzt hätte ich mein Kind nie“, erklärt die junge Leipzigerin. Leonhard brachte sie in Flensburg zur Welt. Danach wurden beide im nahe gelegenen Mutter-Kind-Haus von Sternipark intensiv betreut.
Seit Februar 2000 haben nach Angaben des Vereins 15 Mütter ihre ungewollten Babys straffrei in eine der beiden Hamburger Babyklappen gelegt, drei Mütter haben den Sternipark-Betreuerinnen ihr Kind übergeben, 57 haben auf Vermittlung des Vereins anonym entbunden. 39 dieser Frauen haben innerhalb der gesetzlichen Acht-Wochen-Frist ihre Anonymität aufgegeben und ihr Kind behalten – wie Katja.
Dem Hamburger Beispiel sind inzwischen bundesweit zahlreiche Projekte gefolgt. Nach einer Umfrage gibt es in fast jedem Bundesland wenigstens zwei Babyklappen und die Möglichkeit der anonymen Geburt. Gesetzliche Regelungen dafür gibt es bislang nicht.
Derweil reißt die Diskussion über Babyklappen und anonyme Geburten nicht ab. Ihre Befürworter argumentieren, dass so Leben gerettet werden. Das stimmt allerdings nicht immer: In einer Berliner Babyklappe wurde im Juli ein erstochenes Baby entdeckt. Zu den entschiedenen Gegnern gehört die Kinderschutzorganisation terres des hommes: Babyklappe und anonyme Geburt widersprächen der UN-Kinderrechtskonvention. Außerdem wird befürchtet, Babyklappen könnten mehr Frauen dazu verleiten, ihre Kinder einfach abzulegen.
Die Adoptionsforscherin Christine Swientek hat denn auch einen sofortigen Stopp der Einrichtungen gefordert. Längst würden nicht nur Neugeborene anonym abgegeben, sagte die Hannoveraner Wissenschaftlerin kürzlich. „Wir haben sechsmonatige, zweimonatige und 14 Wochen alte Kinder in der Klappe.“ Eine Befragung von Babyklappenbetreibern und Krankenhäusern habe ergeben, dass die Zahl der ausgesetzten und getöteten Neugeborenen seit Einführung der Babyklappen kaum zurückgegangen sei.
Nicht nur Sternipark bezweifelt diese Ergebnisse. Tatsächlich melde ein erheblicher Teil der Mütter, die im Krankenhaus ihre Personalien nicht angeben, die Geburt später dem Standesamt. Sternipark wird im kommenden Jahr aber ohne den Zuschuss der Stadt auskommen müssen. Die will an drei Krankenhäusern eigene Babyklappen einrichten. Sternipark-Geschäftsführer Jürgen Moysich hält dagegen: „Das Konzept der Stadt sieht zwar ein Beratungs-, aber kein Betreuungsangebot vor. Außerdem kann der Mutter sofort das Sorgerecht entzogen werden.“ Ihre Chancen, das Sorgerecht wiederzuerlangen, seien gleich null.