Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) will angesichts der steigenden Zahl schulpflichtiger Flüchtlingskinder zusätzliche Lehrer für Sprachkurse und Förderunterricht einstellen. Wie viele Lehrer auf der Basis befristeter Verträge für einzelne Stunden eingestellt werden sollen, könne er derzeit aber noch nicht sagen, sagte Baaske am Donnerstag in der Sitzung des Bildungsausschusses des Potsdamer Landtags. In Brandenburg gebe es derzeit rund 2000 Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter. "Gemessen an den 270 000 regulären Schulkindern sind das 0,74 Prozent", sagte Baaske. "Im Normalfall müsste das Regionalschulamt eigentlich in der Lage sein, mit diesen Zahlen umzugehen."

Dennoch bemühe sich das Bildungsministerium auch um eine weitere Qualifikation von Lehrkräften: Insgesamt 112 Brandenburger Lehrerinnen und Lehrer nähmen derzeit am Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) an einer Weiterbildung für den Unterricht in "Deutsch als Fremdsprache" (DaF) teil. Die ersten 53 Lehrer würden im Mai ihre Fortbildung abschließen. Gut nachgefragt ist Baaske zufolge auch der Deutsch-Unterricht in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt. Fast alle dort lebenden Kinder nähmen derzeit am Unterricht teil, der vier Stunden Deutsch pro Tag umfasst. Dennoch denke er darüber nach, den Unterricht verpflichtend zu gestalten, sagte Baaske vor den Abgeordneten. Bislang hätten Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung zwar ein Recht darauf, beschult zu werden. Es bestehe für sie keine Schulpflicht.

Verbesserungswürdig ist nach Einschätzung des Bildungsministers allerdings die Kommunikation zwischen Erstaufnahmeeinrichtung und Schulen. Die Schulen wüssten oft nicht, wann und wie viele Flüchtlingskinder in ihren Ort zögen. Zudem müssten Lehrer besser qualifiziert werden, traumatisierte Kinder und Jugendliche als solche zu erkennen und an geeignete Experten zu vermitteln. Zudem würden viele Landkreise die Möglichkeiten, die ihnen das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung zur Integration minderjähriger Flüchtlinge biete, nicht voll ausschöpfen. Informationsdefizite beklagten im Ausschuss auch die Oppositionsvertreter. Marie-Luise von Halem (Bündnis 90/Die Grünen) und Gordon Hoffmann (CDU) verwiesen darauf, dass die Zahl der Flüchtlingskinder und der daraus resultierende Bedarf kaum erfasst werde. "Wir sind da in der Verantwortung", sagte Hoffmann im Ausschuss. "Wenn wir ein Klima der Hilfsbereitschaft hinbekommen wollen, dann müssen wir ernsthaft mit den Sorgen und Nöten der Menschen umgehen." Aus den Landkreisen gebe es regelmäßig die Rückmeldung, dass die Ressourcen für Förderkurse und den Unterricht in speziellen Vorbereitungsgruppen in der Regel nicht genutzt werden könnten, weil die Lehrer dafür schlicht nicht vorhanden seien. "Im Ministerium kommen offenbar die Bedarfe, die von den Schulen gemeldet werden, gar nicht an."

Offenbar keine genauen Kenntnisse hatte Baaske dagegen von der Situation der Fürstenwalder Einrichtung "Alreju", in der alleinreisende Minderjährige, also Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind, betreut werden. Wie Baaske im Ausschuss erklärte, sei die über 63 Plätze verfügende Einrichtung voll. Derzeit würden dort rund 75 Flüchtlinge betreut. Doch wie eine Nachfrage der RUNDSCHAU bei der Einrichtungsleiterin, Mathilde Killisch, ergab, würden derzeit nur 54 jugendliche Flüchtlinge dort betreut. "Mir ist völlig schleierhaft, wie der Minister auf diese Zahlen kommt, zumal erst heute jemand vom Ministerium bei uns angerufen hat."