Immer ruhig und langsam, mit einer Zigarette in der Hand, meistens sehr ernst, fast traurig. Es gibt nur wenige Bilder, die zeigen, dass er auch fröhlich sein konnte - wie damals im Parlament, als er zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, dem ersten nicht-kommunistischen Regierungschef in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Bild erreichte die ganze Welt und wurde zu einem Symbol: der lachende Mazowiecki mit zum Siegeszeichen ausgestreckten Fingern. Es war der Sieg der Solidarnosc-Bewegung und der Demokratie in Polen.

In wenigen Monaten wird sich die politische Wende in Polen zum 25. Mal jähren, ein runder Jahrestag. Doch einer der wichtigen Akteure wird nicht bei den Feierlichkeiten dabei sein. Tadeusz Mazowiecki ist am Montagfrüh in Warschau gestorben, mit 86 Jahren.

"Einer der wenigen anständigen Leute, die ich in meinem Leben getroffen habe", sagte am Montag Lech Walesa über Mazowiecki, seinen ehemaligen Mitstreiter, aber auch Konkurrenten.

Im Jahr 1980 standen sie zusammen auf der Danziger Werft, später saßen sie gemeinsam am Runden Tisch. Aber 1990 trat Mazowiecki, nach einem Jahr als Regierungschef, in der Präsidentenwahl gegen Lech Walesa an.

Mazowiecki selbst sprach ungern über diese Geschichte. Er habe bedauert, dass es dazu gekommen ist. Angeblich hatten die intellektuellen Oppositionellen festgestellt, dass Walesa nicht der geeignetste Kandidat war und entschieden sich gegen ihn.

Mazowiecki hat einen hohen Preis für die Reformen seiner Regierung bezahlt. Er verlor in der ersten Runde nicht nur gegen Walesa, sondern auch gegen einen früher unbekannten Populisten, Stanislaw Tyminski.

Die beiden Solidarnosc-Legenden haben sich später versöhnt. Mazowiecki verteidigte Walesa jahrelang loyal, als dem ehemaligen Präsidenten eine Kollaboration mit den Kommunisten vorgeworfen wurde. Trotzdem lehnte Mazowiecki einen Vorschlag Walesas ab, als Ministerpräsident weiterzuarbeiten.

"Mazowiecki war der beste Ministerpräsident, den Polen bisher hatte", sagte Walesa nun nach dem Tod von Mazowiecki. "Ich habe immer seine Ruhe, Rationalität und gleichzeitige Entschlossenheit bewundert", erklärte auch sein damaliger Gegner, General Wojciech Jaruzelski, der allerdings nach der Wende mit ihm zusammenarbeitet hatte, als Mazowiecki schon Ministerpräsident war und Jaruzelski, der Vertreter des alten Regimes, der Präsident Polens. Gemeinsam führten die ehemaligen Opponenten Polen in eine neue Ära. Gemeinsam führten sie das Land zur Unterzeichnung des Grenzvertrags mit dem wiedervereinigten Deutschland.

Wenige Jahren nach der Wende wurde Mazowiecki vorgeworfen, er habe ein System gebaut, in dem das alte Regime nicht bestraft worden sei. Mazowiecki, Demokrat und Menschenrechtler gehörte zu den letzten Oppositionellen, die nach Aufhebung des Kriegsrechts aus der Haft entlassen wurden. Trotzdem erklärte er, dass er nicht wolle, dass sich im neuen Polen die Rollen einfach umkehren. Dass "die früher privilegierte Gruppe nun unterdrückt und die Unterdrückten nun privilegiert würden".

Als Ministerpräsident in den Jahren 1989/90 lag ihm daran, eine "dicke Linie" unter die Vergangenheit zu ziehen. Dank dieser Strategie ist in Polen die Wende ohne einen einzigen Blutstropfen verlaufen. Sie war aber für viele, auch für frühere Mitstreiter wie die Kaczynski-Brüder, ein Grund zum Kritik an Mazowiecki.

Er nahm es gelassen, zumindest äußerlich: "Es gilt eine einfache Regel - diejenigen, die sich an Verhandlungen nicht beteiligt haben, behaupten immer, man hätte sie besser führen können", sagte er vor zwei Jahren in einem persönlichen Gespräch.