Alexander Graf Bülow hofft, in der kommenden Woche den Gubener Ortsverband der FDP zu treffen. Der Brandenburger Landesvorsitzende der Liberalen hat Gesprächsbedarf: "Jede Gliederung der Partei hat ein gewisses Eigenleben, aber das, was da geschehen ist, wollen wir nicht auf sich beruhen lassen."

Was ihn in die Lausitz treibt und schon den Kreisverband Lausitz der FDP zu harschen Worten veranlasste, ist die Nominierung des FDP-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl Ende Juni. Denn die Gubener FDP schickt Klaus-Dieter Hübner ins Rennen, den Mann, der wegen Korruption im Amt rechtskräftig zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde und durch dessen dadurch bedingtes Ausscheiden die neue Wahl erst nötig wurde.

"Wir haben ihn immer unterstützt", lautete vor wenigen Tagen die knappe Erklärung von Monika Birkholz, Fraktionschefin im Stadtrat, gegenüber der RUNDSCHAU zu dieser Entscheidung. Und FDP-Stadträtin Kerstin Hansmann versichert, dass die Nominierung "mit Bedacht" und nach externer Beratung geschehen sei. Einen umfangreichen Fragen-Katalog der RUNDSCHAU zu diesem offenbar recht beispiellosen Vorgang schickt die Gubener FDP mit der knappen Bemerkung zurück: "Wir werden die Fragen nicht beantworten."

Zum Beispiel, ob die Gubener Liberalen das Anfang 2016 rechtskräftig gewordene Urteil des Landgerichtes Cottbus gegen Hübner kennen und die dort dargelegten Sachverhalte als Tatsachen anerkennen. Fraktionsmitglied Günther Krause hätte seinen Parteifreunden davon ausführlich berichten können. Er saß fast jeden Verhandlungstag gegen Hübner im Gericht.

Hübner, so steht es im Urteil, war in seinem Amt als Bürgermeister korrupt und hat sich dadurch mindestens 17 000 Euro für die Pflege seines Wochenendgrundstückes und Anwaltsrechnungen auf kriminelle Art "erspart".

Die Frage, ob Hübner damit nicht moralisch völlig delegitimiert sei, wieder ins Rathaus einzuziehen, wollen seine Gubener Parteifreunde einfach an die Wähler delegieren. Die müssten das entscheiden.

Dass Hübner nach übereinstimmender Rechtsauffassung von Kreisverwaltung und Brandenburger Innenministerium im Falle einer Wahl sofort wieder suspendiert würde, ficht Monika Birkholz und ihre Gubener Parteifreunde auch nicht an. Der Landrat müsse sich dann dem Wähler beugen, erklärte sie vor wenigen Tagen.

Im Fall einer solchen Suspendierung würde Hübner wie schon jahrelang während seines Strafverfahrens einen erheblichen Teil der Bürgermeisterbezüge bekommen. Welche Konsequenzen die Gubener FDP in so einem Fall ziehen würde? Auch darauf verweigert die Ortsgruppe die Antwort.

Felix Sicker, Kreisvorsitzender der FDP Lausitz, sagt, die Nominierung Hübners sei dessen "persönlicher Krieg". Das Bemühen der Liberalen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, werde durch Aktionen wie in Guben "konterkariert".

Landeschef Graf Bülow hofft noch auf eine einvernehmliche Lösung mit der Gubener Ortsgruppe. Hübner könnte ja seine Kandidatur noch zurückziehen: "Wer wegen so einer Straftat verurteilt wurde, sollte den Anstand haben, nicht wieder anzutreten."