Samstagmorgen zwischen Dubrau und Jethe. Dort, wo am Freitag noch Schaulustige mit Bier und Musik auf einer Brücke auf den großen Knall warteten, herrscht gespenstische Stille. Ein einsamer Bagger steht am Rand der Baustelle im Wald. Die 20 Meter langen Stahlrohre, durch die künftig Erdgas rauschen soll, werden noch eine Weile auf ihre Verlegung warten müssen. Auf der A 15, wo sonst zehntausend Autos am Tag rollen, dreht sich kein Rad.

Bauarbeiter waren hier am vergangenen Freitag beim Bohren der Trasse unter der Fahrbahn auf einen metallischen Gegenstand gestoßen. Die Bombe soll in drei bis fünf Metern Tiefe und mittig der beiden Richtungsfahrspuren liegen.

Am Montag soll nun eine Spezialfirma die Fahrbahn öffnen. Die Experten müssen dabei extrem vorsichtig vorgehen, weil die Bombe angebohrt wurde und auch durch die beiden Sprengversuche in der Nacht beschädigt sein könnte. Die Sprengmeister Uwe Zierdt und Mario Büchner hatten aus 200 Metern Entfernung um 22 Uhr und um 0.30 Uhr versucht, die Kriegshinterlassenschaft fernzuzünden.

Wie lange die Autobahn gesperrt sein wird, kann derzeit niemand sagen. Und auch der Schaden, der durch eine Sprengung entstehen könnte, ist völlig unklar. Thomas Mattuschka, Bauüberwacher des Landesbetriebs Straßenwesen am Sonnabend gegenüber der RUNDSCHAU: "Wir müssen auf jeden Fall von einem ordentlichen Schaden ausgehen. Wie groß der sein könnte, ist aber schwer vorherzusagen. Wir müssen aber damit rechnen, dass die Autobahn nach einer solchen Sprengung nicht innerhalb einer Woche repariert ist." Die A 15 ist eine wichtige Ost-West-Verbindung. Der Verkehr wird derzeit großräumig an der Fundstelle vorbei über die L 49 abgeleitet. Damit rollt in den nächsten Wochen auch der gesamte Schwerlastverkehr durch Kathlow, Dubrau, Groß Jamno und Teile von Forst.

Bombenfunde auf deutschen Autobahnen sind keine Seltenheit. So explodierte beispielsweise vor zehn Jahren auf der A 3 bei Aschaffenburg ein Fünf-Zentner-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, als ein Straßenbauarbeiter mit einer Fräsmaschine darüberfuhr. Der Mann war sofort tot, Wrackteile des Fahrzeuges wurden bis zu 500 Meter weit geschleudert.