Eine Abfolge biedermeierlicher Wohnsalons - das lässt sich vielleicht noch mit dem Thema Lesen in Verbindung bringen - aber ein gründerzeitlicher Lastenaufzug und ein spätmittelalterlicher Gewölbekeller passen eigentlich nicht in eine Bibliothek. Eigentlich, denn in Wittstock (Ost prignitz-Ruppin) hat Bärbel Kannenberg genau dieses Kunststück vollbracht: eine verwahrloste, aus verschiedenen Bauphasen stammende, früher als Tuchmacherei genutzte Gebäudegruppe am Marktplatz nicht nur denkmalgerecht zu erhalten, sondern sie umzunutzen und auszubauen als eine moderne Stadtbibliothek. Für diese Leistung überreichte Bauminister Jörg Vogelsänger (SPD) der 59-jährigen Wittstocker Architektin am Mittwoch in Potsdam den Landes-Baukulturpreis 2013.

Besonders würdigte die Jury an Kannenbergs Werk, dass es bei der Revitalisierung des Standorts gelungen sei, historische Baudetails und zeitgemäße Architektursprache "zu einem stimmigen Gesamtbild zu entwickeln". So wurde etwa das für den Brandschutz erforderliche neue Treppenhaus an einem abgängigen Teil der Hoffassade eingefügt, wo heute dunkle Blechplatten im Rhythmus des Fachwerks den Eingriff in die historische Substanz bezeugen. "Was mich an diesem Projekt beeindruckt ist der Respekt vor dem Ort, das Selbstbewusstsein der Planung und die unaufgeregte Reduzierung von Funktion, Konstruktion und Gestaltung auf einen wesentlichen Kern", schwärmte Bernhard Schuster, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, die den Preis zusammen mit der Ingenieurkammer ausgelobt hatte.

Sonderpreise gab es für den Stadthafen Senftenberg sowie für das Agrarmuseum und Besucherzentrum "Barnim Panorama" in Wandlitz. In Senftenberg überzeugte die städtebauliche Öffnung zum See, die durch Verbindung von Altstadt, Schlosspark und Stadthafen erreicht wurde. Der von einem Team aus Architekten, Landschaftsarchitekten und Ingenieuren geplante Hafen mit seinen eleganten Steganlagen, der leichten Aussichtsplattform, den sauber konstruierten Brücken und puristischen Funktionsbauten sowie das durchgängige Material- und Farbkonzept zeigten "Baukultur auf höchstem Niveau", befand die Jury. Als baukulturelle Initiativen gewürdigt wurden außerdem die Erhaltung des Jugendstilkinos Weltspiegel in Cottbus und die Einrichtung eines Prüflabors für sicherheitstechnische Gebäudeausrüstung an der BTU Cottbus-Senftenberg.

Der mit 10 000 Euro dotierte Baukulturpreis zeigt alle zwei Jahre, mit welcher Qualität in Brandenburg gebaut wurde.