Als Stanislaw Masny vor den historischen Bildern von Straßenrazzien im deutsch besetzten Warschau im Zweiten Weltkrieg steht, werden für den 85-Jährigen Erinnerungen lebendig: Als 16-Jähriger wurde er Anfang 1944 bei einer ähnlichen Razzia festgenommen und zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt.

Gut ein Jahr schuftete er für die deutsche Kriegsindustrie als Heizergehilfe beim Bau eines U-Boot-Bunkers in Bremen-Farge. Was am meisten in der Erinnerung haftenblieb aus jener Zeit? "Hunger, Kälte und Läuse", sagt Masny. "Das war ganz sicher die schlimmste Zeit meines Lebens."

Der Pole war ein Zufallsopfer wie so viele seiner Landsleute. Er war zwar als Schüler des geheimen Unterrichtswesens mit der polnischen Widerstandsbewegung verbunden, doch für seine Häscher zählte vor allem, dass er jung, gesund und arbeitsfähig war.

Masny teilte das Zwangsarbeiter-Schicksal mit insgesamt 20 Millionen Menschen aus ganz Europa, die zur Arbeit für Nazideutschland gezwungen wurden. Ob in Ghettos und Konzentrationslagern, in Fabriken oder in der Landwirtschaft - Zwangsarbeiter wurden überall eingesetzt. Eine internationale Wanderausstellung zu diesem Thema in seiner europäischen Dimension, erarbeitet von der Stiftung Buchenwald, ist nach Stationen in Berlin, Dortmund und Moskau seit Mittwoch in Warschau zu sehen.

"Zwangsarbeit bedeutete Freiheitsberaubung, beständige Rechtlosigkeit, willkürliche Gewalt, öffentliche Demütigungen", schrieb Bundespräsident Joachim Gauck mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski ins Grußwort zur Ausstellung. Das wurde in Deutschland lange Zeit anders gesehen: "Noch vor 20 Jahren galt Zwangsarbeit nach deutschem Recht als bedauerliche Begleiterscheinung von Krieg und Besatzungsregime und nicht als nationalsozialistisches Unrecht", sagt Günter Saathoff, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft, die das Projekt finanziert hat.

Die Stiftung hat zusammen mit Partnerorganisationen seit dem Jahr 2000 die damals nach jahrelangen Verhandlungen vereinbarte Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter organisiert. "Ein Happy End war das nicht", sagte Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Buchenwald, zu Ausstellungsbeginn. "Erst der Druck von US-Sammelklagen bewog viele große deutsche Unternehmen dazu, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Und die Mehrheit der Zwangsarbeiter wurde von der Gerechtigkeit nicht erreicht."