Welch eine Steilvorlage für die bayerische Opposition. "Sie können das alles senden", sagte CSU-Chef Horst Seehofer bekanntlich vor einigen Monaten, nachdem er im Vorgespräch zu einem ZDF-Interview kräftig vom Leder gezogen hatte. Am gestrigen Mittwoch nun spotteten SPD und Grüne auf eilig gebastelten Plakaten: "Das können Sie alles senden! Außer SPD!" Oder: "Sie können das alles senden." Um den Satz dann neben einem Foto des SPD-Spitzenkandidaten und Seehofer-Herausforderers Christian Ude zu ergänzen: "Das nicht!"

Der lästerliche Spott der SPD hat einen ernsten Anlass, der am gestrigen Mittwoch nicht nur die Opposition auf den Plan rief, sondern auch vom Deutschen Journalisten-Verband als skandalös bezeichnet wurde: Der Sprecher der CSU, Hans Michael Strepp, soll am Sonntag beim diensthabenden Redakteur der "heute"-Sendung angerufen haben - also ausgerechnet beim ZDF, das mit dem Seehofer-Interview für Furore gesorgt hatte. Strepps Ziel sei gewesen, so jedenfalls die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf "übereinstimmende Schilderungen aus dem Sender": Er habe einen Fernsehbericht über den bayerischen SPD-Parteitag verhindern wollen. Dort wurde Ude am Sonntag offiziell zum Landtags-Spitzenkandidaten gekürt. "Callcenter CSU", hieß es am Mittwoch auf der Titelseite der Zeitung.

Für CSU-Chef Seehofer ist dies schon der zweite herbe Schlag nach dem großen Parteitag am Wochenende: Am Montag ließ der Bayerische Verfassungsgerichtshof ein Volksbegehren gegen die umstrittenen Studiengebühren im Freistaat zu - und brachte Seehofers CSU/FDP-Koalition damit in die Bredouille. Und nun das.

"Der kläglich gescheiterte Einschüchterungsversuch des CSU-Pressesprechers zeigt: Aus Angst vor dem Machtverlust im eigenen Land werden hier die Grundfesten unserer Demokratie skrupellos mit Füßen getreten", schimpfte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Und der bayerische SPD-Chef Florian Pronold ätzte: "Die vermeintliche ,Staatspartei‘ CSU hat immer noch nicht begriffen, dass sie keinen Einfluss auf öffentlich-rechtliche Sender nehmen darf."

Tatsächlich wäre ein solcher Vorwurf, wie er jetzt im Raum steht, in grauer CSU-Vergangenheit vielleicht nicht einmal außergewöhnlich gewesen. Die Zeiten aber haben sich, auch in Bayern, längst geändert.

Seehofer bezog am gestrigen Mittwoch auch sogleich klar Position. "Das wäre völlig inakzeptabel", sagte der Ministerpräsident für den Fall, dass an den Vorwürfen gegen seinen Sprecher doch etwas dran sein sollte.