Dabei hatte die nigerianische Regierung erst Mitte Oktober eine Waffenruhe mit den Islamisten verkündet.

Zudem kursieren Berichte über den Tod eines Deutschen und die Entführung eines weiteren Bundesbürgers in Nigeria. "Das Auswärtige Amt ist mit dem Fall befasst", sagte eine Sprecherin am Montag in Berlin. Weitere Details nannte sie nicht.

Die ernüchternden Meldungen kommen passend zum Besuch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seinem französischen Amtskollegen, Laurent Fabius, in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Der Terror von Boko Haram ist nicht die einzige Heimsuchung, mit dem das Land zu kämpfen hat. Die Terrormiliz treibt seit Jahren ihr Unwesen im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Staat Afrikas. Die Islamisten wollen im Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten. Sie morden, plündern, zünden Bomben und entführen Menschen. Allein in diesem Jahr starben mehr als 3000 Menschen durch die Attacken von Boko Haram.

Steinmeier und Fabius waren zuvor schon gemeinsam auf Reisen: Im Frühjahr waren sie in Moldau, Georgien und Tunesien. Ihre Doppel-Besuche sind als Geste gedacht, als Zeichen der deutsch-französischen Partnerschaft, der große Trägheit nachgesagt wurde - und als Signal, dass es gemeinsames Vorgehen braucht, um mit den Krisen auf der Welt fertig zu werden.

Nigeria ist so ein Krisenort. Nicht nur der Terror erschüttert das Land. Die andere Heimsuchung kam Mitte Juli. Ein Regierungsberater aus Liberia trug den Ebola-Virus ins Land.

Der Mann brach am Flughafen in der Millionenstadt Lagos zusammen und starb einige Tage später. Die Krankheit breitete sich in Nigeria aus, doch die Behörden griffen schnell ein, richteten ein Krisenzentrum ein, spürten jene auf, die Kontakt mit Kranken hatten und isolierten sie. Das Ausmaß der Seuche hielt sich in Grenzen.

Seit genau einer Woche gilt Nigeria nun offiziell als Ebola-frei. Trotzdem geht weiter die Angst um. Solange die Seuche noch in der Region wütet, bleibt auch Nigeria gefährdet.

Steinmeier und Fabius haben für die nigerianische Regierung ein Angebot im Gepäck: Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam medizinisches Personal in Nigeria schulen, das dann in den Ebola-Ländern zum Einsatz kommen kann.