"Deutsche, deren Anwesenheit in Haiti nicht unbedingt erforderlich ist, werden dringend aufgefordert, bestehende Möglichkeiten zur Ausreise zu nutzen", stellt das Außenamt fest. In Haiti leben rund 250 Deutsche, die meisten im Süden des Landes.
Haiti gehört wie Afghanistan, Irak und mehrere afrikanische Staaten zu den Ländern, für die das Auswärtige Amt bereits seit langem Reisewarnungen ausgesprochen hat.
Die innenpolitische Krise in Haiti spitze sich immer weiter zu, heißt es in der Reisewarnung. Die Rebellen kontrollierten die gesamte nördliche Landeshälfte. Auch in den südlichen Teilen des Landes und in der Hauptstadt Port-au-Prince seien Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften und gewaltsame Straßenproteste nicht auszuschließen.

Helfer angegriffen
Gestern ist das Büro der Deutschen Welthungerhilfe in der haitianischen Stadt Cap Haitien geplündert worden. "Bewaffnete Gruppen haben das Sicherheitspersonal überwältigt und das Büro komplett ausgeräumt", erklärte der Koordinator der Welthungerhilfe in Haiti, Balthasar Stammbach, laut einer gestern in Bonn veröffentlichten Mitteilung der Hilfsorganisation. "Unsere Fahrzeuge wurden demoliert."
Die Tätigkeit der Welthungerhilfe in Haiti sei seit etwa einer Woche unterbrochen, so Stammbach. Nach dem Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen müsse die dafür notwendige Infrastruktur völlig neu aufgebaut werden. Cap Haitien war am Wochenende von Rebellen erobert worden.
Die vier deutschen Mitarbeiter der Welthungerhilfe in Haiti waren vor zwei Wochen in die benachbarte Dominikanische Republik ausgereist. Die rund 90 einheimischen Mitarbeiter reisten an sichere Orte innerhalb Haitis.

Gespräche in Paris geplatzt
Die Vermittlungsbemühungen um eine Beilegung der Krise in Haiti haben einen weiteren Rückschlag erlitten. Die haitianische Opposition lehnte gestern Verhandlungen in Paris ab. Angesichts der Lage in dem Karibikstaat komme eine Reise in die französische Hauptstadt "ungelegen", sagte Oppositionsvertreter Micha Gaillard.
Haitis Opposition hatte zuvor einen unter anderem von Frankreich und den USA getragenen Friedensplan zurückgewiesen, der einen Verbleib von Staatschef Jean Bertrand Aristide bis 2006 im Amt vorsah. Mit der Absage der haitianischen Opposition hatten die Bemühungen um eine Lösung der Krise in dem Karibikstaat zuvor einen schweren Rückschlag erlitten. Die Gegner von Jean Bertrand Aristide blieben bei ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Präsidenten. Die US-Regierung kündigte dagegen an, weiter an dem Friedensplan festhalten zu wollen. (dpa/AFP/uk)