"Es war eines der bekanntesten Hotels seiner Zeit - und auch eines der besten", sagte diese Woche auf einer Pressekonferenz Juri Baturkin, Vize-Direktor der Eigentümer-Gruppe des "Moskau", DecMos. Eine Einstufung, die sich in post-sowjetischen Zeiten als relativ erweist, räumt Baturkin ein. "Im Grunde war es vielleicht gerade mal ein Zwei- oder Drei-Sterne-Hotel, damals sprach man ja nicht einmal von Zimmern, sondern von Wohnzellen - wie in einem Gefängnis."
Das soll nun ganz anders werden. Eine Fünf-Sterne-Herberge auf 180 000 Quadratmetern - doppelt so viel wie das einstige Haus - mit Zimmern, Appartments, Restaurants, Einkaufszentrum, Parkgarage und Kongresssaal will DecMos bis Ende nächsten Jahres aus dem Boden stampfen. Die Grundmauern sollen in zwei Wochen stehen, doch für Innenausbau, Dekoration und Möblierung werden noch mehr als 20 Monate eingeplant. Es versteht sich, dass das fertige Hotel vor allem für reiche und luxusverwöhnte Gäste seine Türen öffnet.
Das war trotz der traditionellen Privilegien für die Nomenklatura in Sowjetzeiten nicht ganz so. Die Architekten Schtschussew, Stapran und Saweljew, die das 1935 eingeweihte Hotel entwarfen, hatten vor allem eine praktische Unterkunft für Abgeordnete und Parteifunktionäre in unmittelbarer Nähe von Kreml und Leninmausoleum im Sinn. Oft teilten sich vier Gäste ein 15-Quadratmeter-Zimmer. "Ein erster Entwurf in den 30er-Jahren hatte sogar Stockbetten geplant, aber das wurde schließlich doch verworfen", erzählt Baturkin.
Angst und Schrecken, die vom Sowjetdiktator Stalin ausgingen, sind der Ursprung der asymetrischen Fassade des Hotels. Dem gefürchteten "Väterchen" waren zwei Entwürfe auf einem einzigen Blatt vorgelegt worden. Stalin zeichnete das Blatt ab, ohne zu präzisieren, welchen der beiden Pläne er bevorzugte. Aus Furcht wurde schließlich die Fassade zur Hälfte nach dem ersten, zur anderen Hälfte nach dem zweiten Entwurf gebaut.
Die Deutsche Bank zeigt sich an dem Projekt im übrigen auch über den 600-Millionen-Dollar-Kredit hinaus interessiert. "Moskau"-Eigentümer DecMos solle 2009 an die Börse gehen, sagt deren Finanzdirektor Dmitri Garkuscha, und dabei von der Deutschen Bank begleitet werden. "Wir werden eine Beteiligung an DecMos sehr ernsthaft in Erwägung ziehen, wenn die Stadtverwaltung das genehmigt", sagt Juri Solowjow, der bei der Deutschen Bank für Russland zuständig ist. Die Hotelbranche in der russischen Hauptstadt scheint jedenfalls vielversprechend. 15 Häuser sollen in diesem Jahr eröffnet werden, rund hundert im Jahr 2008, teilte die Stadtverwaltung laut Interfax in dieser Woche mit.