"Erzählt es allen euren Freunden, damit nächstes Jahr doppelt so viele kommen und sich dieses Festival etablieren kann. Denn das hier ist geil!" - viel besser als Thomas D. von den Fantastischen Vier hätte man es nicht sagen können. Vor gut 5000 Zuschauern sind die Hip-Hopper aus Stuttgart am Samstagabend aufgetreten - damit war das Gelände zu einem Drittel gefüllt.

Dabei hatte der Veranstalter, die Lausitzhalle Hoyerswerda GmbH, an nichts gespart. Das Tochterunternehmen der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda (SWH) hatte die Tourbühne der Toten Hosen aufbauen lassen, hatte für einen glasklaren Livesound gesorgt. Siebenstellig seien die Kosten gewesen, berichtet Cheforganisator Sven Tietze, Chef der Lausitzhalle. Eine konkrete Zahl wolle er nicht sagen. Eine Investition in die Zukunft des Lausitzer Seenlandes sei die Veranstaltung allemal.

Selbst das Wetter hat an diesem Wochenende gepasst, trocken und warm am Freitag, sonnig am Samstag und Sonntag. Bestes Festivalwetter. Gute Bedingungen zum Zelten. Mehr als 1000 Camper hatten seit Donnerstagabend den angrenzenden Zeltplatz bezogen und feierten tagsüber ihre eigene Party mit Bier und Badminton.

Zum Einlass aufs Festivalgelände am Freitagabend kamen aber bloß eine Handvoll Zuschauer, während DJ Kaz James und das Elektroduo Third Party auf der Bühne standen. Stetig tröpfelten weitere Zuschauer aufs Gelände - 6000 waren es nach Auskunft der polizeilichen Einsatzleitung, als der französische Superstar David Guetta mit einer imposanten Lichtshow für Stimmung bei denjenigen sorgte, die an den Partwitzer See gekommen waren.

Ein ähnliches Bild bot sich auch am Samstag. "Ich erhebe mein Glas auf das Seenland-Festival", sagte Suzie Kerstgens, Sängerin des Popduos Klee, das am frühen Abend vor rund 2000 Zuschauern auftrat, und würdigte den Mut der Veranstalter, eine solch große Veranstaltung aus dem Nichts zu organisieren. Die Besucher - viele aus Dresden und Berlin, die meisten aber aus der Region - nutzen derweil den ausreichend vorhandenen Platz, um ihre Picknick-Decken vor der Bühne auszubreiten.

Fortsetzung noch unklar

"Klar hätten wir uns mehr Zuschauer gewünscht", sagt Sven Tietze zur Festival-Halbzeit am Samstag. "Aber das haben wir schon erwartet." Der Kartenvorverkauf war nur äußerst schleppend gelaufen. Vor der Öffnung der Abendkassen waren nur gut 11 000 Tickets für alle drei Tage verkauft worden.

Ob das Seenland-Festival, wie ursprünglich geplant, ab jetzt jedes Jahr stattfinden wird, kann Sven Tietze noch nicht konkret sagen: "Nach der Veranstaltung machen wir erst einmal einen Kassensturz, dann sehen wir weiter. Morgen ist ja auch noch ein Tag."

Fotografen verstimmt

Für Verstimmungen sorgte der Samstag. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten bei Großveranstaltungen mussten die Pressefotografen - darunter Agenturen, Zeitungen, Freie - nach den jeweils ersten drei Liedern einer Band ihre Kameras abgeben, das Gelände verlassen. "Ich mache den Job seit 30 Jahren. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte einer der Fotojournalisten. Üblich ist bei Großveranstaltung, dass während der ersten drei Lieder fotografiert werden darf, die akkreditierten Journalisten dann den Fotograben vor der Bühne verlassen müssen, aber weiter auf dem Gelände bleiben.

Warum die Fotografen beim Seenland-Festival nicht weitere Fotos schießen durften, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. "Das müssen wir das nächste Mal besser organisieren", räumte Tietze gegenüber der RUNDSCHAU ein. Immer wieder kritisieren auch Journalistenverbände, dass immer mehr Musikgruppen mit rigiden Bestimmungen, die Berichterstattung über Großveranstaltungen einzuschränken versuchen.

Bessere Stimmung dann am Sonntag. Der lief beim Kartenvorverkauf von Beginn an am besten. Mehr als 7000 Tickets wurden im Vorfeld verkauft, 2000 an der Abendkasse. Eine konkrete Zuschauerzahl stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Als die Düsseldorfer Punkrocker Tote Hosen auf der Bühne standen, hatten die Zuschauer kaum noch Platz, um ihre Picknickdecken auszubreiten. Zum ersten Mal an diesem Wochenende herrschte echte Festival-Atmosphäre am Partwitzer See bei Hoyerswerda.