Drei Wochen bevor der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter dreijährige Kinder in Kraft tritt, hat Familienministerin Kristina Schröder (CDU) am Donnerstag Planübererfüllung gemeldet: Insgesamt seien von den Ländern 813 093 Krippenplätze geschaffen worden. 2007 war unter der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (ebenfalls CDU) als Ausbauziel noch ein Bedarf von bundesweit 780 000 Plätzen bis 2013 angegeben worden. Damit sollte mehr als jedes dritte Kind versorgt werden können, was als ausreichend gilt.

Allerdings gibt es lokal noch Versorgungsprobleme, vor allem in Großstädten, wo der Bedarf meist über 50 Prozent liegt. Schröder sprach von einem "beachtlichen Endspurt" der Länder und Kommunen. Die FDP erklärte, Deutschland habe damit die "familienpolitische Steinzeit" verlassen.

Allerdings gibt es Einschränkungen in der Erfolgsbilanz. So waren nur 711 917 Krippenplätze am 30. Juni tatsächlich auch schon in Betrieb; 90 176 schon bewilligte Plätze müssen teilweise noch errichtet oder abgenommen werden.

Bayern meldete - anders als alle anderen Länder - zudem nur eine offenbar hochgerechnete grobe Zahl: 100 000 realisierte Krippenplätze und weitere 20 000 kurz vor der Inbetriebnahme.

Dennoch erwarten weder Ministerin Schröder noch die Kommunalverbände eine größere Klagewelle aufgrund des ab 1. August geltenden Rechtsanspruches. Der Landkreistag erklärte, im Ausnahmefall müssten Übergangslösungen gefunden werden wie die vorübergehende Aufstockung von Gruppen. Die Linkspartei kritisierte deshalb, der "Last-Minute-Ausbau" werde zu Qualitätsproblemen führen.

Auch Schröder räumte ein, dass es vielerorts noch an ausgebildeten Erziehern mangelt. "Die Länder hatten ausreichend Zeit, ihre Ausbildungskapazitäten zu erweitern", kritisierte sie. Scharf rügte sie die Arbeitgeberverbände für die Auffassung, dass es nicht Aufgabe der Wirtschaft sei, die Betreuungssituation für die eigenen Mitarbeiter zu verbessern. "Dafür habe ich kein Verständnis", sagte Schröder.

Die Betriebe sähen das in der Praxis auch anders und versuchten zu helfen, sagte die Ministerin. Teilweise, indem sie "Belegplätze" in städtischen Kitas finanzierten. Schröder will nun ein neues Programm auflegen, um Betriebe zu unterstützen.

Das bisherige Programm "Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung" hat offenbar nicht richtig gezogen. Die dafür ausgegebenen zwölf Millionen Euro führten in den vergangenen fünf Jahren nur zu 1590 neuen Betreuungsplätzen in den Firmen. Schröder schwebt jetzt unter anderem vor, Lohnkostenzuschüsse bis zu 50 Prozent für die Beschäftigung von Tagesmüttern anzubieten, die die Kinder in den Randzeiten betreuen, in denen es oft keine Krippenangebote gibt.

Während es in Ostdeutschland schon vor der Wende praktisch eine Vollversorgung gab, ebenso in West-Berlin, hatte der Krippenausbau im Westen im großen Stil erst 2005 mit dem Tagesausbaubetreuungsgesetz (TAG) begonnen, das 230 000 Plätze vorsah. 2007 fand dann ein Krippengipfel statt, bei dem das Ausbauziel auf 780 000 Plätze erhöht wurde und der Bund eine Förderung in Höhe von insgesamt vier Milliarden Euro zusagte. Hiervon seien noch 160 Millionen Euro übrig, die für weitere Plätze zur Verfügung stünden, sagte Schröder. Sie bekräftigte außerdem die Zusage, den Ländern ab 2015 jährlich mit 845 Millionen Euro für die Qualifizierung von Fachpersonal und die Sprach- und Integrationsförderung zu helfen.

2007 wurde ebenfalls das Inkrafttreten eines Rechtsanspruches auf Betreuung mit dem Stichtag 1. August 2013 beschlossen. Im vergangenen Jahr schob die schwarz-gelbe Koalition dann noch den Anspruch auf Betreuungsgeld für Kinder nach, die zu Hause oder privat betreut werden. Auch diese Leistung, zunächst 100 Euro, ab Mitte 2014 dann 150 Euro im Monat, startet am 1. August. SPD und Grüne wollen sie wieder abschaffen und das Geld stattdessen in den weiteren Krippenausbau sowie in die Abschaffung der Betreuungsgebühren stecken.