Wladimir Putin hat ihn in der Ukraine-Krise vorgeführt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erwischte Barack Obama auf dem falschen Fuß. Und dann die Ohrfeige der Amerikaner bei den Kongresswahlen - 2014 war das schwärzeste Jahr für den US-Präsidenten.

Die Liste der Pleiten lässt sich fortsetzen: Debakel beim Start der Gesundheitsreform, die gescheiterten Nahost-Verhandlungen - und am Ende noch die Unruhen in Ferguson wegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Millionen Afro-Amerikaner sind von "ihrem" Präsidenten tief enttäuscht.

Freunde und Verbündete, aber vor allem wohl auch Gegner und Feinde der USA fragen sich: Zieht sich die Weltmacht USA zurück, ist die Ära, in der Amerika als "Weltpolizist" galt, endgültig vorbei?

"Ich glaube nicht, dass es den großen Wunsch im Lande gibt, Weltpolizist zu sein", sagte der Kolumnist Jerry Hagstrom jüngst in Washington. Die Amerikaner hätten einfach genug von Kriegen und "chaotischen Geschehnissen", die Tausende Menschenleben und Milliarden Dollar kosten.

Oppositionelle Republikaner werfen Obama immer wieder Schwäche vor. Tenor der Kritik: Der Rückzug der Supermacht sei Schuld daran, dass es in der Welt drunter und drüber geht. Vor allem durch sein Zögern und Zaudern im Syrien-Konflikt trage er Mitschuld am Aufstieg der Terrormilizen.

Verbal zumindest hält Obama am globalen Führungsanspruch fest, doch in der Realität sind die USA längst nicht mehr Akteur bei den großen Konflikten und Krisen in der Welt, sondern Zuschauer. In der Ukraine-Krise musste Obama hilflos erleben, wie Russland sich die Krim einverleibt.

Auch in das Gemetzel in Syrien greift er weder ein noch gelingt es ihm, sich in drei Jahren Bürgerkrieg einen verlässlichen Partner zu organisieren. Noch immer zieren sich die Militärs mit Waffenlieferungen an die Rebellen, wissen nicht, welche Oppositionsgruppen sie unterstützen und ausbilden sollen.

"Wir haben noch keine Strategie", sagte Obama im August als Reaktion auf die IS-Offensive. Nicht nur Obama-Kritiker meinen, dies sei ein Satz, den ein US-Präsident niemals sagen darf. Der Haken: Bis heute haben die USA noch kein durchschlagendes Rezept gegen die Terrormilizen gefunden.

Der deutsch-amerikanische Historiker Richard F. Wetzell drückt es so aus: "Die USA sind einfach nicht mehr die Weltmacht, die sie einmal waren." Eines dürfe man dennoch nicht übersehen. "Obama hat verdammt schlechte Karten gehabt", meint der Experte am Deutschen Historischen Institut in Washington.

Die Frage laute: Was hätte Obama tun sollen? Krieg führen um der Krim willen? Selbst die härtesten Falken unter den Republikanern schütteln da den Kopf.

Mit Bodentruppen in Syrien eingreifen? Auch das fordert bisher in Washington kaum jemand, die Mehrheit der Amerikaner hat schlichtweg von Kriegen die Nase voll - vor allem von Kriegen wie im Irak und in Afghanistan, die nicht gewonnen werden. Und nicht zuletzt: Die USA können sich militärische Abenteuer auch finanziell nicht mehr leisten.

"Leading from behind" hat Obama sein Führungskonzept einmal genannt. Frei übersetzt heißt das: vom Rücksitz aus führen. Obama verlangt, dass sich auch andere Nato-Länder in Konflikten engagieren. Doch am Ende, meinen Kritiker, müsse die "Weltmacht Nummer eins" vorangehen und die Richtung weisen.

Noch hat Obama zwei Jahre Zeit. Bis Januar 2017 ist er im Amt. Dass die Sanktionen Russland zum Einlenken bringen, glaubt in Washington kaum jemand mehr. Wie lange sich das Regime von Baschar al-Assad in Syrien noch hält, steht in den Sternen.

Einen Trumpf hat Obama noch im Ärmel: Sollte - trotz der jüngsten Enttäuschung bei den Wiener Verhandlungen - doch noch eine Einigung mit dem Iran in Sachen Atomstreit gelingen, wäre das ein historischer Fortschritt.

Doch dazu braucht Obama auch die Unterstützung Russlands - und nach Tauwetter mit Moskau sieht es derzeit wahrlich nicht aus. Schlimmer noch: Schon formieren sich im Kongress die Kräfte, die einem Abkommen mit Teheran skeptisch gegenüberstehen, die gar noch härtere Sanktionen wollen.

Und wenn der neu gewählte Kongress im Januar zusammentritt, beherrschen die Republikaner beide Kammern - eine weitere schwere erhebliche Schwächung für den Präsidenten. Für das Auslaufmodell Obama sieht es nicht gerade so aus, als würde das Jahr 2015 wesentlich einfacher werden als 2014.