Der Gewaltausbruch in Sachsens Erstaufnahmeheim für Flüchtlinge hat die Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen befeuert. Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo sieht das mit Sorge und plädiert im Interview für ein Umdenken nicht nur im Freistaat.

Wie soll Deutschland, wie soll Sachsen künftig mit den wachsenden Flüchtlingsströmen umgehen?
Wir setzen in Deutschland seit 20 Jahren auf Vergrämung und hoffen, dass das Flüchtlinge davon abschreckt, zu uns zu kommen. Wir wissen heute: Die Strategie ist nicht nur inhuman, sie geht auch nicht auf. Denn Flüchtlinge lassen sich nicht abschrecken. Wir sollten die Menschen integrieren, sie als Chance und Bereicherung sehen. Das müsste sich auch in der Gesetzgebung, also im Asylrecht niederschlagen.

Anwohner von Asylbewerberheimen sind teilweise sehr beunruhigt, beklagen Gewalt und Vandalismus in ihrem Umfeld. Was soll dagegen unternommen werden?
Je mehr Perspektivlosigkeit in Flüchtlingsheimen vorherrscht, desto mehr Vandalismus und Kriminalität können bei uns entstehen. Wir müssen die Asylsuchenden in unser gesellschaftliches Leben einbinden, Werte vermitteln, ihnen die Möglichkeit zur Arbeit bieten. Und die Menschen müssen die Chance haben, die deutsche Sprache zu erlernen.

Was soll konkret in den sächsischen Heimen passieren?
In einigen Heimen herrscht eher das Faustrecht, wie Chemnitz kürzlich gezeigt hat. Wir brauchen eine Änderung der Vorschriften, damit an Brennpunkten rund um die Uhr eine wirkliche Betreuung garantiert ist. Für je 100 Asylsuchende sollte es einen Sozialarbeiter geben. Es gibt derzeit keine Qualitätsstandards für soziale Betreuung in den Heimen, das muss geändert werden.