Die Dokumentation über das Verhältnis der DDR zu jüdischen Bürgern war zuvor bereits im Berliner Centrum Judaicum zu sehen (die RUNDSCHAU berichtete) und wird nun auch in Brandenburg gezeigt, wo einige der zehn in der Schau thematisierten Personen lebten und arbeiteten. Im Mittelpunkt der Schau stehen die Konflikte jüdischer Einwohner mit der sowjetischen Besatzungsmacht und dem DDR-Staatsapparat - darunter der Textilunternehmer Ernest Wilkan aus Luckenwalde (Teltow-Fläming) und Karl Wolf sohn, Bürgermeister in Markgrafpieske (Oder-Spree). Dokumentiert wird die Repression gegenüber Juden, antijüdische Propaganda und Vorurteile im DDR-Alltag.
Eine der Ausstellungstafeln widmet sich dem Cottbuser Textilfabrikanten Otto Eph raim. In den Texten in der Schau im Centrum Judaicum war ihm „Kollaboration“ während des Faschismus vorgeworfen worden. Ephraims Enkel, Klaus Winkler, reagierte darauf mit Empörung. In einem Schreiben an das Centrum nannte er die Nennung seines Großvaters „die dritte Ausgrenzung des Otto Ephraim“ . Winkler bezog sich damit auf Eph raims „erste Ausgrenzung ( . . . ) in der NS-Zeit aufgrund der Nürnberger Gesetze“ . Die zweite Ausgrenzung sei durch die DDR erfolgt. Ephraim war 1950 in Abwesenheit durch das Landgericht Cottbus wegen Unterstützung des Nationalsozialismus zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Fabriken und Grundstücke wurden enteignet. Das Urteil wurde 1992 aufgehoben.
Gegenüber der RUNDSCHAU erläutert Winkler seine Worte von der „dritten Ausgrenzung“ : „Mein Großvater gehört überhaupt nicht in diese Ausstellung.“ Otto Ephraim habe Cottbus im März 1945 vor dem Einmarsch der Roten Armee verlassen. Auch sei er nie mehr nach Cottbus oder in die spätere DDR zurückgekehrt. Zudem übernehme die Ausstellung „die Terminologie der Nürnberger Gesetze“ . „Otto Ephraim war kein Jude, da seine Mutter keine Jüdin war“ , erläutert Winkler. Halbjude sei er nur nach den Kriterien der Nürnberger Gesetze von 1935 gewesen.
Gravierend ist aber für ihn der Vorwurf der „Kollaboration“ . So war eine der Texttafeln überschrieben. „Otto Ephraim hat sich während der Nazi-Zeit nicht anders verhalten als Millionen anderer Deutscher auch“ , verteidigt ihn sein Nachfahre. Er habe sich den Verhältnissen angepasst, möglicherweise notgedrungen wegen seiner Einstufung als „Mischling ersten Grades“ etwas mehr noch als manch anderer. Der Titel „Kollaboration“ wurde nach Winklers Intervention, noch vor dem Umzug der Ausstellung in den Potsdamer Landtag, in „Verteidigung“ geändert und durch erklärende Texte ergänzt.

Service Bis 10. Oktober
 Die Ausstellung "Zwischen Bleiben und Gehen. Juden in Ostdeutschland, 1945 bis 1956" ist bis zum 10. Oktober montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 16 Uhr im Landtag in Potsdam zu sehen.