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Ausgabenschub bei Krebsmitteln

Berlin. Die Krankenkassen stöhnen unter den explodierenden Kosten für Krebsmedikamente. Nach einer Untersuchung der Barmer sind die Ausgaben für onkologische Mittel in der ambulanten Versorgung seit 2011 um 41 Prozent gestiegen. Stefan Vetter

Knapp 490 000 Menschen in Deutschland sind pro Jahr mit einer Krebs-Diagnose konfrontiert. Tendenz steigend. Durch neue Behandlungsmöglichkeiten können allerdings auch immer mehr Menschen mit der Erkrankung länger leben oder sogar geheilt werden. Der Preis dafür ist hoch. Bei den Kosten von 31 einschlägigen Medikamenten ist Deutschland laut Barmer international führend. Bei 90 Prozent dieser Mittel liegen die Preise über dem internationalen Mittelwert. Acht davon kosten in Deutschland am meisten.

Man wolle keine Debatte darüber führen, "ob einem sterbenskranken Krebspatienten eine Therapie aus Kostengründen verweigert werden sollte", stellte Barmer-Chef Christoph Straub am Donnerstag bei Vorstellung des Reports klar. Wohl aber brauche es eine Debatte, ob die Preise gerechtfertigt seien. So lägen die Kosten für eine Chemotherapie in der ersten Phase häufig bei 100 000 Euro und mehr. In den 1990er-Jahren seien es umgerechnet nur wenige Tausend Euro gewesen.

Nach Darstellung des Studienautors Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken, ist die Behandlung mit neuen Krebsmitteln im Schnitt dreimal so teuer wie die bisherige Therapie.

Eine weitere zweifelhafte Einnahmequelle für die Pharmaindustrie sieht der Mediziner in den Restmengen (Verwürfe), die bei Herstellung bestimmter Rezepturen anfallen. So werde etwa Bortezomib in Ampullen zu 3,5 mg mit kurzer Haltbarkeitsdauer verkauft, die im Schnitt benötigte Dosis liege aber nur bei 2,2 mg, so Grandt. Allein bei Barmer-Versicherten summierten sich die Kosten für Verwürfe 2015 auf zehn Millionen Euro.

Der Verband der Pharma-Unternehmen wies die Vorwürfe am Donnerstag naturgemäß zurück. Es gebe kein Kostenrisiko durch neue Krebsmedikamente, erklärte Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer.