Insgesamt ist das Angebot an Plätzen im Osten zwischen 2007 und 2013 um fast 40 Prozent geschrumpft, bundesweit waren es rund 13 Prozent auf rund 563 000 Stellen. Die Zahl der Bewerber sank in dem Zeitraum bundesweit um 19 Prozent auf 613 000. Auch hier legt die Studie ein starkes Ost-West-Gefälle offen: Im Osten brach die Zahl der Interessentenzahl um 47 Prozent ein, in den westlichen Bundesländern ging sie um 13 Prozent zurück.

Das hat fatale Auswirkungen vor allem für Handwerk und regionale Betriebe. "Von den Jugendlichen, die übrig bleiben, wollen immer mehr Abitur machen und studieren", sagte Clemens Wieland, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung. Das belegt ein Beispiel aus Forst (Spree-Neiße): Zwei neue Lehrlinge hat das Bauunternehmen Mattig & Lindner in diesem Jahr eingestellt. "Eigentlich hatten wir vier bis fünf Ausbildungsplätze vorgesehen", sagt die Lehrlingsbeauftragte der Firma, Janine Lindemann. "Aber es wird immer schwieriger, Azubis zu finden, die auch wirkliches Interesse haben." Die Anzahl der Bewerbungen habe stark abgenommen. Waren es früher noch im Durchschnitt 20 Interessierte, kommen jetzt gerade einmal fünf bis sechs Bewerbungen pro Jahr.

Die Lausitz stemmt sich aber gegen den Trend. Südbrandenburger Firmen haben der Agentur für Arbeit für das laufende Ausbildungsjahr 3335 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, 196 mehr als im Vorjahresvergleich. "Wir sind Spitzenreiter in Ostdeutschland was das Handwerk betrifft", sagt Michel Havasi von der Handwerkskammer Cottbus. Länder Seite 5