Als Informatiker fand der 18-jährige Biegener monatelang keinen Ausbildungsplatz, auch in artfremden Berufen wie Tischler oder Zweiradmechaniker wurde er trotz Dutzender Bewerbungen bis nach Berlin nicht fündig. Da kam ihm die Werbung der Frankfurter Chipfabrik-Firma Communicant vor einem Jahr wie gerufen. In der neuen High-Tech-Schmiede will er gern Karriere machen. Auch heute noch, obwohl es von der Chipfabrik bisher nur eine riesige Beton-Bodenplatte gibt, die Kräne sich seit Monaten nicht drehen und das Gelingen des 1,3-Milliarden-Projekts in den Sternen steht (die RUNDSCHAU berichtete).
"Ich glaube an die Firma. In der Öffentlichkeit wird viel zu viel spekuliert", meint Stefan, der seit dem vergangenen Sommer zu den 72 Communicant-Azubis gehört, die unter 1777 Interessenten ausgewählt wurden. Zusammen mit 23 weiteren Nachwuchs-Mikrotechnologen wird Stefan im Frankfurter bbw-Bildungszentrum ausgebildet.

Optimismus bei Azubis
Zweifel, ob er damit aufs richtige Pferd gesetzt hat, kommen trotz kämpferischer Entschlossenheit nicht nur ihm. "Ständig muss man in der Familie und im Freundeskreis auf skeptische Fragen oder pessimistische Kommentare reagieren", erzählt Julia Matschoß, eines von nur drei Mädchen in der bbw-Lehrlingsgruppe. Ihre Eltern, so gesteht die 17-jährige Frankfurterin, haben der Tochter gar schon ans Herz gelegt, sich nach einem neuen Ausbildungsplatz umzuschauen. Doch Julia zupft entschlossen an ihrer blauen Latzhose. "Wir haben bis zum Auslernen noch fast zweieinhalb Jahre Zeit. Da steht die Fabrik, der Osten lebt wieder auf."
Das bestätigt auch Communicant-Personalchef Jürgen Lemke-Kreft. "Unsere Azubis lernen 2005 aus. Das ist genau die Phase, in der wir noch Facharbeiter einstellen." 360 000 Euro legt die Chipfabrik-Firma jährlich für die Nachwuchsausbildung eines Betriebes bereit, den es noch gar nicht gibt. Dieses Geld sei gesichert. Communicant werde bei der Lehrlingsausbildung - in diesem Sommer sollen 60 weitere Azubis kommen -- auch weiter mit externen Bildungsträgern zusammenarbeiten. Lemke-Kreft: "Bei laufender Chip-Produktion geht es nicht anders."

100 weitere Umschuldungen
Außerdem, so der Personalchef, gibt es in Frankfurt einen Arbeitskreis mit Vertretern von IHK, dem Kompetenzzentrum Mikroelektronik, bbw, IHP und Communicant, der ein eigenes Ausbildungs- und Trainingszentrum inklusive Reinstraum aufbauen will. Fördermittel für diese Projekt seien bereits beantragt.
"Das nützt uns erst mal gar nichts", sagt Stefan, der sich auch über das endgültige Aus der Chipfabrik schon Gedanken gemacht hat. "Ich würde noch mal umlernen, woanders hingehen." So schwarz will Ausbildungsleiter Eckbert Ramm nicht sehen, "solange die Kräne noch auf der Baustelle stehen". Seit fünf Jahren bildet das bbw Mikrotechnologen im Auftrag von Unternehmen aus. Eine dieser Firmen ging plötzlich pleite. Die Absolventen aber fanden größtenteils in ihrem Fach an anderen Standorten einen Job, so bei AMD in Dresden.
Rund 100 Umschulungen und Weiterbildungen in Sachen Chipfabrik werden derzeit vom Frankfurter Arbeitsamt gefördert. "Wir qualifizieren jedoch nur so viele Fachkräfte, wie wir notfalls auch an anderen Standorten in Arbeit bringen können", sagt Behördenchefin Cornelie Schlegel.