Sechs Monate später, im Februar 2002, tauchte er auf, wo ihn niemand vermutet hätte: in Afghanistan, an der Seite talibanischer "Gotteskrieger", die von US-Soldaten in den Bergen von Tora Bora gefangen genommen worden waren. Zwei Jahre verbrachte der Spanier Hamed im amerikanischen Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba, bevor er nun der spanischen Justiz übergeben wurde.

Suche nach den Gründen
Jetzt versucht Spaniens berühmter "Superrichter" Baltasar Garzon herauszufinden, wie aus dem heute 29 Jahre alten Hamed Abderrahaman, ein Spanier mit marokkanischen Vorfahren, einer jener islamistischer Kämpfer wurde, die von den USA als "Staatsfeinde" bezeichnet werden. Hamed wird von den USA der "Zusammenarbeit mit der terroristischen Organisation Al Qaida" beschuldigt. Auch Spaniens für Terrorismus zuständiger Untersuchungsrichter Garzon vermutet, dass Hamed von einer spanischen Al-Qaida-Zelle für den "Heiligen Krieg" angeworben und dann zum Kampfeinsatz nach Afghanistan geschickt wurde.
Hamed wuchs in der spanischen Garnisonsstadt Ceuta auf, jener Enklave an der nordafrikanischen Küste und in Nachbarschaft zu Marokko, in der inzwischen fast die Hälfte der 75 000 Einwohner moslemisch ist. Er lebte mit seinen Eltern, die insgesamt neun Kinder haben, im Armenviertel "Principe Alfonso" - in dem die meisten Moslems der Stadt wohnen. Schießen lernte er bei der spanischen Armee, wo er seinen Wehrdienst ableistete, obgleich er in der Kaserne die meiste Zeit als Küchenhelfer verbrachte. Nach seiner Entlassung bewarb er sich erfolglos bei der Ortspolizei, jobbte als Hilfsarbeiter. "Ihm fehlte eine Perspektive", erinnern sich Freunde, die ihn als "schüchtern" und "sehr religiös" beschreiben.

Anwerbung in den Moscheen
Die Moscheen in Ceuta, wie auch in anderen spanischen Städten, gelten bei den Sicherheitsbehörden schon länger als jene Treffpunkte, in denen die Gesandten des international gesuchten Terrorgehirns Osama bin Laden den Nachwuchs für ihren "Krieg gegen die Ungläubigen" anwerben. Und auch Geld für die "heilige Sache" eintreiben. Gegen 35 mutmaßliche Al-Qaida-Helfer, darunter viele Spanier arabischer Herkunft, eröffnete Garzon bisher Ermittlungsverfahren. Von Spanien aus führen Spuren zu den Kamikaze-Piloten des 11. September, zur Hamburger Terrorzelle und auch zu jenen Attentätern, die den Gasbomben-Anschlag auf die Synagoge im tunesischen Djerba verübten.