Aus dem Munde des Mannes, der Friedrichs Lustschloss Sanssouci und weitere 150 preußische Königsschlösser und Baudenkmale in Brandenburg und Berlin zu hüten hat, klingt der Satz schon einigermaßen verblüffend. „Wir müssen von der Fixierung auf die Preußenkönige wegkommen“ , sagt Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Es gehe schließlich auch um die Baumeister, die Gartenkünstler, um das Erbe Preußens im breiteren Sinne, bis hin zur Sozialgeschichte. „Wir bemühen uns, die einzelnen Schlösser zu profilieren, untereinander stärker abzugrenzen.“ Und auf diesem Wege, so sein Ziel, sollen gleichzeitig mehr Besucher „auch in nicht so prominente Häuser“ gelockt werden.

2002 war nicht ohne Sorgen
Das sind neue Töne aus Sanssouci. Wird davon 2003 der Besucher schon etwas spüren„ Dorgerloh zeigt einige druckfrische neue Flyer für das Marmorpalais ( „Der Klassizismus erobert Preußen“ ), die Römischen Bäder, das Schloss Charlottenhof, das Jagdschloss Grunewald und für „Rundgänge“ durch die Schlossparks Sanssouci und Neuer Garten, die im neuen Jahr in allen Schlössern und Museumsshops verteilt werden. Denn auch für Sanssouci war das Jahr 2002 nicht ohne Sorgen. Die Besucherzahlen gingen um acht Prozent zurück, nachdem die Preußenschlösser 2001 - dem Buga-Jahr - mit 2,3 Millionen Gästen die Preußenschlösser einen Rekordansturm verbuchten. Kein Drama, ein geringerer Rückgang als in der Tourismus-Branche. „Im Vergleich geht es uns richtig gut.“ Trotzdem will Dorgerloh 2003 den Trend wieder umkehren: Deshalb die neuen Flyer, deshalb ein renovierter Internet-Auftritt (www.spsg.de), deshalb ein neuer Ticket-Verbund zwischen Berlin und Potsdam, mit dem verstärkt Kombi- und Tagestickets angeboten werden sollen.
Seit einigen Monaten ist der Nachfolger von Hans-Joachim Giersberg, der über Jahrzehnte die ehrwürdige und konservative Stiftung geprägt hatte, jetzt im Amt. Die Überraschung war perfekt, als der 40-jährige Referatsleiter für Denkmalpflege im Brandenburger Kulturministerium für das Amt nominiert wurde - und sich in Stiftungsrat und Findungskommission gegen 20 Mitbewerber und Berliner Vorbehalte durchsetzte. In und außerhalb der Stiftung war Dorgerloh auch Misstrauen entgegengeschlagen. Ein „willfähriger Funktionär“ der Politik, der die Schlösser „popularisiert“ , gar für Empfänge der Politik und für Werbepräsentationen öffnet“ Alles Fehlanzeige, die Kritiker sind inzwischen verstummt.
Klar, Hartmut Dorgerloh soll und will die schwerfällige Stiftung modernisieren, verkrustete Strukturen aufbrechen, den Besucherservice erhöhen. Aber behutsam, ohne radikale Pflöcke. „Oft geht es um bessere innere Abläufe.“ Zur Zeit nehmen Organisationsexperten des Bundesverwaltungsamtes die Strukturen unter die Lupe.

Zunächst die kleinen Dinge
Dass sie Personal-Abbau empfehlen werden, erwartet Dorgerloh nicht: Es gebe klare Signale, die auch zur Beruhigung in der Belegschaft beigetragen hätten. So werden es zunächst die vermeintlich kleinen Dinge sein, an denen der Besucher schon bald Verbesserungen merken soll: Dorgerloh erzählt von Umfragen, nach denen die Gäste bereit wären, für Erhalt und Pflege der Schlösser weit mehr als bisher zu spenden: „Aber unsere Spendensäulen stehen so, dass man sie kaum sehen kann. Und dann steht nicht einmal Danke darauf.“ Das wird sich ändern.

Aktueller Etat ist gesichert
Natürlich, das liebe Geld, eine Sorge, die selbst Sanssouci-Hüter umtreibt. Zwar ist der aktuelle Etat für 2003 über 43 Millionen Euro, die Berlin, Brandenburg und der Bund zu Verfügung stellen, durch das gültige Finanzierungsabkommen gesichert. Und er habe, betont Dorgerloh, auch keinerlei Hinweise, dass das Land trotz des angespannten Haushalts sein Engagement zurückzuschrauben gedenkt. Trotzdem weiß er natürlich, dass die Verhandlungen mit den drei Geldgebern für das neue Finanzierungs-Abkommen Ende 2003 nicht leicht werden.