Rund drei Stunden lang hatten Wolfgang Tiefensee, der LeipzigerUni-Prorektor Franz Häuser und der Minister miteinandergesprochen. Rößler zufolge sei es dabei darum gegangen,auszuloten, wie weit sich Stadt und Universität in Richtung desPaulinervereins bewegen können, der den originalgetreuenWiederaufbau der 1968 zerstörten Universitätskirche anstrebt. DerMinister will da Bewegung festgestellt haben (die RUNDSCHAUberichtete).

In der Sache hart geblieben
Oberbürgermeister und Uni-Prorektor mochten dem, diplomatischgeschickt, in der Öffentlichkeit nicht direkt widersprechen,waren aber in der Sache hart geblieben. Ein originalgetreuerWiederaufbau der Universitätskirche, das hatten Tiefensee undHäuser dem Minister klar gemacht, werde nicht akzeptiert. Einigwaren sich die drei insofern, als die Bebauung des LeipzigerAugustusplatzes zügig vorangetrieben werden soll. Im Jahr 2009,zur 600-Jahrfeier der Universität, soll alles fertig sein.

Kein neuer Architekturwettbewerb
Einen neuen Architekturwettbewerb, wie von MinisterpräsidentGeorg Milbradt (CDU) befürwortet, wird es aus Zeitgründen nichtgeben. Grundlage bleibt jener Gestaltungsentwurf der ArchitektenBehet und Bondzio, der aus einem Architekturwettbewerb imvergangenen Jahr als zweiter Preisträger hervorgegangen war. Insoweit bleibt alles wie zuvor. Lediglich die Fassade des neuenGebäudes soll noch einmal überarbeitet und damit in angemessenerWeise an die Paulinerkirche erinnert werden.
Dieses Zugeständnis dürfte Tiefensee und Häuser nicht schwergefallen sein, gilt doch der Architekturentwurf, auch wenn er nunumgesetzt werden soll, allgemein als nicht zufriedenstellend. DieAula soll als Kirche genutzt werden können, da nickten Tiefenseeund Häuser, diese Mehrfachnutzung war durchaus als Möglichkeitgesehen worden. Damit aber enden die Gemeinsamkeiten.
Die Frage, ob es eine Kirche geben soll, die als Universitätsaulagenutzt wird, oder aber eine Aula als Kirche - das istoffensichtlich weiter ungeklärt, zumindest für Rößler, der ineinem Rundfunkinterview durchblicken ließ, dass er sich denNeubau einer Universitätskirche vorstellen könne. In derkommenden Woche will Rößler mit dem Paulinerverein verhandeln.Doch da sieht Tiefensee den Minister offenkundig nur noch als denÜberbringer der schlechten Nachricht. Der Paulinerverein sei„nachrangig“ , sagt Tiefensee.

Separater Bau abgelehnt
Der Minister ließ das nicht unwidersprochen, vermied es auch, voneinem Kompromiss zu sprechen. Tiefensee hingegen lehnt einenseparaten Kirchenbau kategorisch ab. Er gehe nicht mit„Luftschlössern“ in die weiteren Planungen. Während Rößler daraufbeharrt, dass die öffentliche Debatte noch im Gange sei, ist siefür Tiefensee im Grunde zu Ende.
Für ihn hat sich die Entscheidung der Staatsregierung, den Platzder Paulinerkirche für einen Wiederaufbau freizuhalten, mit demMinistergespräch praktisch erledigt.