Denn die haben seit Anfang Februar reihenweise abgesagt. Von 22 Herstellern, die schon vertraglich zugesagt hatten, sind in 13 wieder abgesprungen. Von einem "beispiellosen Domino-Effekt" sprach Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner gestern bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Leipziger Messehaus, während der Regen an die Scheiben pladderte. Am frühen Morgen zogen er und der Präsident des Verbands der Kraftfahrzeughersteller (VDIK), Volker Lange, die Reißleine. Die Messe Automobil International und ihre Partnermesse Amitec finden in diesem Jahr nicht statt.

Die Absage kommt nicht einmal acht Wochen vor dem Messetermin, sei aber unvermeidlich gewesen, wie die beiden Manager gestern betonten. Man habe zwei Wochen lang intensiv gerungen, um eine Messe "mit hohem Erlebnisfaktor und Zukunftscharakter" auf die Beine zu stellen, sagte Buhl-Wagner. VDIK-Chef Lange zeigte sich erschrocken von dem, was er in langen Verhandlungen mit den Ausstellern gehört habe. Einige deutsche Niederlassungen hätten sogar von einem Ausstellungsverbot in Leipzig gesprochen, das ihre Mutterkonzerne ausgesprochen hätten.

Die Gründe sind vielfältig, aber auf einen Nenner zu bringen: Die Autowelt verändert sich. Volkswagen laboriert noch am Dieselgate-Skandal.

BMW hat zwar seine Leipziger Niederlassung direkt neben dem Messegelände, wollte aber seine Ausstellungsfläche um zwei Drittel reduzieren. Mazda war schon 2014 nicht mehr auf der Ami vertreten - die Japaner präsentieren ihre Fahrzeuge neuerdings lieber auf Erlebnismessen. Auch Toyota, Renault und Fiat blieben beim letzten Mal weg. Volvo bespielt nur noch eine Messe pro Kontinent - das ist im Falle Europas nicht Leipzig.

Von zwei großen deutschen Autoschauen ist die Ami die Nummer zwei. Die Frankfurter Konkurrenzmesse IAA war immer größer und glamouröser. Dagegen versuchte sich die Ami an veränderte Kundenvorlieben anzupassen, präsentierte sich als Event zum Anfassen und Probefahren. Trotzdem fand die Messe zuletzt nur noch alle zwei Jahre statt. Das aber entwöhnte das Publikum. 2014 gingen die Besucherzahlen nach unten.

Ob es überhaupt eine Neuauflage geben wird, das ließen die Veranstalter gestern offen. Man müsse "drüber nachdenken, ob man zu anderen Formen einer Autoausstellung kommt", kündigte Volker Lange nebulös an. Ihm schwebe da eine Verkaufsausstellung nach dem Vorbild des Autosalons in Brüssel. Aber solcherlei Töne wirkten gestern Nachmittag im Leipziger Regengrau wenig optimistisch. Überzeugender kam da Buhl-Wagner mit der nüchternen Einschätzung: "Auch Messen haben Lebenszyklen."

Der der Automesse ist für dieses Jahr noch nicht komplett beendet. Vom 12. sis 13. April steigt die alternative "New Mobility 2016" in den Messehallen. Die wird angekündigt als kleine Fachmesse zur "zukünftigen, verkehrsträgerübergreifenden Mobilität in vernetzten Infrastrukturen von Städten und Regionen". Parallel dazu will sich ein VDIK-Kongress am 12. April mit der Frage der "Alternativen Antriebe" befassen.