Alle Brandenburger Grundschüler lernen vom kommenden Schuljahr an wieder nach der Fibel-Methode lesen und schreiben. Andere Methoden wie das umstrittene „Lesen durch Schreiben“ oder die „Rechtschreibwerkstatt“ werden dann nicht mehr angewandt, kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch in Potsdam an. Das Ministerium werde die Umsetzung kontrollieren.

Kürzlich war eine Studie veröffentlich worden, wonach Grundschüler deutlich besser abschnitten, wenn sie mit der Fibel lernen. Beim kritisierten Schreiben nach Gehör kämen zum Teil abenteuerliche Schreibweisen zustande wie Mutta, Fata oder Kint – für Mutter, Vater oder Kind. Auch in der RUNDSCHAU war über die umstrittene Lernmethode gestritten worden.

Bildungsministerin Ernst, die vor einem Jahr ihr Amt antrat, hat nun einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, um Kindern richtiges Lesen und Schreiben gleich vom ersten Schultag an zu lehren und damit deren Kompetenzen zu stärken.

„Im Bildungsressort stehen jedoch weiterhin Mammutaufgaben an: Es müssen ausreichend Lehrer ausgebildet und eingestellt werden“, betonte Marie Luise von Halem, bildungspolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Grüne. Gerade für Kinder mit besonderem Förderbedarf – hochbegabte oder mit Schwierigkeiten - sei fehlende pädagogischen Qualifikation ein echtes Problem. Ernst betonte, dass Seiteneinsteiger in den ersten drei Monaten und später berufsbegleitend entsprechend qualifiziert würden.

Nach dem 2017 veröffentlichten Bildungstrend 2016 liegen die Leistungen der märkischen Grundschüler im Mittelfeld. Doch 12,5 Prozent der Mädchen und Jungen der 1. bis 4. Klasse weisen nur den Mindeststandard im Lesen und 23,2 Prozent in der Rechtschreibung vor.

Überwiegend werden im Land bereits die Fibeln nach ihrer Kenntnis bereits genutzt, sagte sie. Genaue Untersuchungen liegen nach den Angaben aber nicht vor. Nach einer älteren Erhebung seien es etwa fünf Prozent der Schulen im Land, die die beiden anderen Methoden nutzen.

In allen Schulen sollen künftig verbindliche Lernzeiten organisiert werden, wo das Lesen und Schreiben geübt werden. Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben zunächst einfach eingeführt und komplexer erläutert.

Ernst will erreichen, dass die Leistungen in Orthografie, Grammatik und Zeichensetzung auch in anderen Fächern prinzipiell korrigiert werden. „Wenn das in den Arbeiten nicht Ordnung ist, kann die Note bis zu zwei Punkte abgewertet werden“, sagte sie.

Wichtig sei für die Jüngsten auch, sich bis zur 4. Klasse einen Grundwortschatz von etwa 700 Wörtern anzueignen. Den müssten sie auch schreiben können, sagte die Ministerin.

„Die neuen Maßnahmen sind an den Schulen verbindlich“, stellte die Ministerin klar. Mit den Schulämtern werde ab der kommenden Woche die Durchsetzung verabredet.