Was das mit Potsdam, Brandenburg und der Landespolitik zu tun hat? Auch in Deutschland soll es etwa 7,5 Millionen funktionale Analphabeten geben, die maximal kurze Sätze lesen oder schreiben können. Weswegen sich am Donnerstag Bildungsministerin Martina Münch (SPD) in einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit wandte. Und darauf verwies, dass die Zahl der Analphabeten auch in Brandenburg gesenkt werden müsse - zum Beispiel mit den seit 2006 in zahlreichen Städten und Landkreisen angebotenen Kursen aus dem Bereich "Grundbildung für Erwachsene", für die rund 200 000 Euro pro Jahr aus dem Europäischen Sozialfonds aufgewandt werden.

Doch Münch war keineswegs die Einzige, die in letzter Zeit öffentliches Interesse an diesem Thema signalisierte.

Schon in der vergangenen Woche hatte sich der Landtag auf Initiative der FDP demselben Thema gewidmet. Doch wie es im Parlament so ist: Dem liberalen Antrag zur Schaffung eines Masterplans geschah, was Oppositionsanträgen meist geschieht. Mit den Stimmen des Regierungslagers wanderte er in den Papierkorb. Und das, obwohl selbst die Redner des Regierungslagers für die Gelegenheit zur Debatte über dieses Thema dankten.

Da mag es manchem Landtagsabgeordneten nun eine heimliche Freude sein, dass zumindest die Bildungsministerin das Thema Analphabetismus so schnell wieder aufgegriffen hat - denn auch das gehört zum Wechselspiel von Regierung und Opposition im Landtag dazu: Wenn ein Oppositionsantrag Substanz hat, mag er zwar im Landtag aus Proporzgründen verworfen werden. Aber zumindest sein Thema taucht dann irgendwann in der Debatte wieder auf - und manchmal sogar schon nach richtig kurzer Zeit, dem Welttag der Analphabeten sei Dank.