Am Ende der Diskussionsrunde wirkte Kathrin Jaszkowiak vom Brandenburger Landesumweltamt (LUGV) dann doch etwas ungehalten. "Es ist doch unstrittig, dass das Eisen von sächsischer Seite kommt. Bei Ihnen muss etwas passieren", sagte sie.

Der Adressat ihres eindringlichen Appells war der sächsische Landrat Bernd Lange (CDU, Landkreis Görlitz). Dieser hatte zuvor - nach mehreren Vorträgen - weitere Untersuchungen gefordert, um mit Sicherheit sagen zu können, woher der Ocker in der Spree und speziell in der Talsperre Spremberg tatsächlich kommt. Jaszkowiak und Lange waren zwei von Dutzenden Teilnehmern eines länderübergreifenden Forums am Montag in Cottbus. Neben vielen Bürgermeistern waren auch Vertreter der beiden Bergämter und des Bergbausanierers LMBV dabei.

So war es dann an Christof Voigt, Abteilungsleiter Tagebau beim sächsischen Oberbergamt, die ersten zarten Pflänzchen der länderübergreifenden Zusammenarbeit zu verkünden. Denn seine Behörde prüfe seit dieser Woche zwei Bauvorhaben zur Flussreinigung. Während in Brandenburg in den zurückliegen Monaten eine Reihe von Erste-Hilfe-Aktionen für die Spree gestartet wurden, passierte auf sächsischer Seite bisher relativ wenig. So will die LMBV in der Nähe von Burgneudorf (Landkreis Bautzen) eine Pumpstation errichten und in der Nähe von Spreetal (Bautzen) Brunnen installieren. Mit beiden Vorrichtungen soll belastetes Wasser (siehe Infobox) gehoben, gereinigt und zurückgeführt werden. "Wenn es klargeht, können wir nächstes Jahr im April mit dem Bau beginnen", sagte Hans-Jürgen Kaiser, Leiter Planung bei der LMBV.

Dass man sich in Sachsen mit Aktionen und vertraglichen Hilfe-Zusagen bei der Bekämpfung der Spreeverockerung schwer tut, musste auch schon Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) erfahren. Ende Mai dieses Jahres hatte er sich zum Thema mit seinem sächsischen Amtskollegen Sven Morlok (FDP) getroffen. Doch dieser ließ ihn abblitzen. Konkrete Zusagen: Fehlanzeige. "Es gibt ein Verursacherprinzip", stellte der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) fest. Landrat Lange konterte, dass es falsch sei, "Fronten aufzumachen". Auch der Freistaat sei an einem intakten Spreewald interessiert. Aber der Rechtsnachfolger der alten DDR-Tagebaue heiße nun mal LMBV - und nicht Sachsen.

Ent warnung gab es hingegen beim Thema Hochwasser-Folgen. Im Juni hatten Umweltschützer darauf hingewiesen, dass mit einer erhöhten Eisenockerbelastung des Biosphärenreservates Spreewald zu rechnen ist. Die Talsperre Spremberg gilt als Rückhaltebecken, da sich der rostige Schlamm am Boden absetzen kann. Bei Hochwasser - so die Angst - bricht dieser Mechanismus zusammen. "Unsere Messungen haben diese Befürchtungen nicht bestätigt. Da ist uns ein Stein vom Herzen gefallen", so LUGV-Mitarbeiterin Jaszko wiak weiter.

Zum Thema:
Der Eisenschlamm ist eine Folge der Alttagebaue. Durch den Grundwasserwiederanstieg gelangt die trübe Brühe über diffuse Wege in die Gewässer. Es ist nicht giftig, schädigt aber Kleinstlebewesen, Wasserpflanzen und färbt die Flüsse braun.