Hausschlachtungen gehören in vielen Lausitzer Dörfern bis heute zu einer jahrhundertealten gelebten Tradition. Tausende Hofbesitzer füttern alljährlich ein Ferkel bis zur Schlachtreife im Herbst.

Wenn die Temperaturen in den Keller gehen, werden die traditionellen Schlachtfeste auf den Höfen gefeiert. Besonders viele dieser Hausschlachtungen gibt es in den Landgemeinden des Dahme-Spreewald-, Elbe-Elster- und Oberspreewald-Lausitz-Kreises.

Die Gefahr kam mit einer Durchführungsverordnung der Europäischen Union aus Brüssel Ende August nach Deutschland. Gefährlich ist dabei nicht das Schriftstück selbst, das inzwischen auch in allen Kreisverwaltungen der Lausitz angekommen ist. Gefahr birgt aber der Inhalt der Verordnung. Darin festgelegt ist nämlich, dass die klassische Fleischbeschau auf dem Hof alleine ab sofort nicht mehr genügt.

Seit vielen Jahrzehnten reichte bei der Fahndung nach tückischen Trichinen im Fleisch der geschlachteten Schweine die sogenannte "Quetschmethode". Sie konnte von einem autorisierten Fleischbeschauer recht unkompliziert direkt auf dem Hof in kurzer Zeit mit einem Mikroskop durchgeführt werden. Damit lassen sich bei der Untersuchung von stark durchblutetem Muskelfleisch die Fadenwürmer der Gattung Trichinella spiralis relativ leicht erkennen.

Unsichtbar aber bleiben Parasiten der Gattung Trichinella pseudospiralis. Sie treten häufiger im Fleisch von Wildtieren auf, wurden aber erstmals auch im Jahr 2006 in europäischen Hausschweinen ganz vereinzelt entdeckt.

Trichinen sind Parasiten, die den Menschen befallen und bei ihm die tückische Trichinellose auslösen können.

Die Krankheit macht sich zunächst durch allgemeine Schwäche, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bemerkbar. Später treten bei Erkrankten Fieber, Muskelschmerzen und Ödeme im Augenbereich auf. In Einzelfällen könne auch der Herzmuskel befallen werden und die Erkrankung damit tödlich enden, heißt es in der einschlägigen Literatur. Um auch die versteckte Gattung der Trichinen zu finden, ist ein aufwendigeres Verfahren nötig, das in Schlachthöfen und auch bei Wildtieren seit Langem schon angewendet wird.

Die veterinäre Fahndung nach Trichinella pseudospiralis kann und darf nur in einem autorisierten Labor durchgeführt werden.

Damit wird die inzwischen geforderte aufwendigere Trichinen-Beschau zum existenziellen Problem für jede einzelne der traditionellen Hausschlachtungen, die in den meisten Fällen an einem Sonnabend über die Bühne gehen müssen.

Bisher arbeiteten die amtlichen Labore in allen Lausitzer Landkreisen nämlich nur zwischen Montag und Freitag.

Schlechte Aussichten also für das traditionelle Schlachtfest auf dem eigenen Hof. Das frische Hackfleisch zum Frühstück ist damit passé.