Im Gericht in Denpasar wurde gestern die Anklageschrift gegen den Mechaniker Amrozi verlesen. Ihm droht bei einem Schuldspruch der Tod durch Erschießen. Amrozi wird beschuldigt, den Sprengstoff und das Tatfahrzeug für den Anschlag beschafft zu haben, bei dem im Touristenort Kuta am 12. Oktober 2002 nach amtlichen Angaben 202 Menschen getötet wurden, unter ihnen sechs Deutsche. Der 40-Jährige ist der erste von mehr als 30 Verdächtigen, die sich wegen des blutigen Anschlags verantworten müssen. Amrozi sei "auf das Schlimmste vorbereitet", sagte sein Hauptanwalt Wirawan Adnan. "Wir haben ihm gesagt, dass die Höchststrafe der Tod ist."
Zwei Polizisten führten den Angeklagten am Morgen in den improvisierten Gerichtssaal in einer Veranstaltungshalle, wo er auf einem Stuhl Platz nahm und nicht wie erwartet in einem Metallkäfig. Bei der Verlesung der 33 Seiten langen Anklageschrift warfen Vertreter der Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, gemeinsam mit zwölf Komplizen den Anschlag vorbereitet zu haben. Amrozi wirkte bei der Verlesung angespannt und nervös. Anschließend wurde der Prozess auf kommenden Montag vertagt.
Bei den insgesamt zwei Explosionen in Kuta wurden laut Staatsanwaltschaft 424 Gebäude zerstört, darunter die von Touristen stark besuchten Nachtclubs "Paddy's Bar" und der "Sari Club". Amrozi und seine zwölf Mittäter, unter ihnen zwei seiner Brüder, hätten den Anschlag als eine "Kriegserklärung" gegen die USA und ihre Verbündeten gesehen. Amrozi habe mehrere Planungstreffen vor dem Anschlag besucht und zudem eine Tonne Kaliumchlorid und andere Chemikalien beschafft, um die Bomben zu bauen. Außerdem habe er ein Tatfahrzeug eine Woche vor dem Anschlag auf die Insel gebracht. Anwalt Adnan bemängelte, es sei nicht klar, ob sein Mandant der Planung oder der Ausführung des Anschlags beschuldigt werde.
Indes schlossen sich Familien der 88 bei dem Anschlag getöteten Australier nach Angaben einer Anwaltskanzlei in Sydney einer US-Sammelklage gegen Unterstützer des internationalen Terrorismus an. Der Anschlag auf Bali wird der islamischen Extremistengruppe Jemaah Islamiyah (JI) zugeschrieben. Es gebe Hinweise darauf, dass Finanzmittel für die JI aus dem Nahen Osten geflossen seien, sagte ein Sprecher der Kanzlei Suggs, Kelly and Middleton. Der US-Rechtsanwalt Allan Gerson hatte im März über Erkenntnisse berichtet, wonach saudiarabisches Geld über europäische Terrorzellen nach Bali geschleust wurde, um den Anschlag vom Oktober zu finanzieren. (AFP/dpa/ab)

Hintergrund Über 200 Tote
 Bei dem Attentat auf zwei Nachtclubs waren am 12. Oktober 2002 mindestens 202 Menschen getötet worden, die meisten waren ausländische Touristen. Auch sechs Deutsche starben. Der Terroranschlag gilt als der schwerste seit dem 11. September 2001. Nach Ansicht der USA gibt es Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida von Osama bin Laden. Indonesische Fahnder nahmen insgesamt etwa 30 Verdächtige fest. Das Attentat hatte die Tourismusindustrie auf Bali in eine schwere Krise gestürzt.