Der Gersthofener Pfarrer Ralf Gössl hatte mehrmals von der Kanzel mit schonungsloser Offenheit erklärt: "Dass ein Bischof seine Diözese und die gesamte Öffentlichkeit belügt, das ist unannehmbar." Und er war nicht der einzige, der seinen Bischof offen kritisierte. Für Mixa muss eine Welt zusammengebrochen sein. Fast drei Wochen lang hatte Mixa geglaubt und gehofft, dem Sturm der öffentlichen Meinung und Entrüstung trotzen zu können. Am Ende verfasste er ein Rücktrittsgesuch an den Papst in Rom. "Das war eine der schmerzlichsten Entscheidungen des Bischofs, die er je getroffen hat", sagt sein enger Vertrauter und Generalvikar Karlheinz Knebel. Der nicht uneitle Bischof Mixa, der sich gerne als "Exzellenz" anreden ließ und mit barockem Prunk umgab, war am Ende einsam und verlassen. Vergebliche Demutsgesten Allen Rücktrittsforderungen hatte Mixa getrotzt. Mit Demutsgesten suchte er Gläubige und den Klerus geneigt zu machen, aber da war es schon zu spät. Ein katholischer Bischof, der Übergriffe auf Kinder zwei Wochen leugnet, verliert aus der Sicht der Priesterschaft seine moralische Integrität. Mixa hatte zunächst "reinen Herzens" beteuert, niemals Gewalt gegen Kinder ausgeübt zu haben. Als der Druck durch eidesstattliche Erklärungen von Opfern immer höher wurde, ruderte der Bischof zurück und erklärte, lediglich Ohrfeigen ausgeteilt zu haben - in seinen Augen war dies keine Gewalt. Als dann bekannt wird, dass Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen auch noch Stiftungsgelder für überteuerte Antiquitäten, Möbel, Wein und Teppiche zweckentfremdet haben soll, werden die Rücktrittsforderungen immer lauter. Die Lage wird so brenzlig, dass eine außerordentliche Sitzung des Priesterrates einberufen wird. Mixa bittet mit einer großen Geste um Verzeihung: "Es tut mir im Herzen weh und leid, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe." Der Bischof weiß, dass er ohne seine Priester verloren ist, verspricht Aufklärung und räumt Fehler ein. Doch die Priester rebellieren. Pfarrer Gössl spricht aus, was viele bewegt: "Es ist unannehmbar im Hinblick auf jene Kinder, denen Gewalt angetan wurde und es ist unannehmbar im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit unserer Kirche." Immer mehr Austritte Die Kirchenaustritte schnellen in die Höhe: Sie liegen im April laut Augsburger Standesamt doppelt so hoch wie im April vergangenen Jahres. Nach dem ersten Schock über das Rücktrittsgesuch macht sich überall Erleichterung breit. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Bayerns früherer Landtagspräsident Alois Glück, spricht von einer "richtigen Entscheidung Mixas".