Ein Verein aus dem Norden wollte einer Kindertagesstätte im Vogtland den Namen streitig machen. Chefin Gudrun Zießmer (61) aus Reichenbach im Vogtland probte mit ihren Kindern den Aufstand und gewann. "Wichtelhausen" liegt mitten in einer Plattenbausiedlung. "Gerade deshalb suchten wir für unsere Kindertagesstätte nach einem Namen, der Geborgenheit, Wärme und etwas Märchenhaftes ausstrahlt", begründet Gudrun Zießmer die Namensumbenennung. Sie war eine ihrer ersten Amtshandlungen als frischgebackene Leiterin von "Wichtelhausen", das seit 1992 wohl behütet unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt Vogtland ist. Mit viel Einfühlungsvermögen und sicherem Gespür modernisierte Gudrun Zießmer nach der Wende die ehemalige Kinderkombination "Freundschaft", in der sich einst 55 Mitarbeiter um rund 300 Kinder kümmerten. Heute werden dort 136 Kinder von der 13. Lebenswoche bis zum 11. Lebensjahr von 13 Erzieherinnen betreut. Bei den vielen notwendigen Veränderungen in all den Jahren brachte die gelernte Kindergärtnerin nichts so schnell aus der Ruhe. Einen Schock bekam sie allerdings, als vor zwei Jahren der Brief eines Vereins aus Mecklenburg-Vorpommern ins Haus kam. "Man forderte uns auf, den Namen ,Wichtelhausen' nicht mehr zu benutzen oder für ihn Geld zu bezahlen", erinnert sich die Leiterin. Bei Verstoß wurden sogar ein Ordnungsgeld von 5001 Euro oder sechs Monate Haft angedroht. Der Hintergrund: Der Verein hatte sich 2006 beim Deutschen Patent- und Markenamt in München den Namen "Wichtelhausen" für Kinderkrippen und Kindergärten schützen lassen. Danach schrieb er Einrichtungen in ganz Deutschland an und forderte sie auf, sich umzubenennen oder Geld für die geschützte Wortmarke zu zahlen. Gudrun Zießmer weiß, dass einige Betroffene aus Angst sofort den Namen wechselten. Aber sie begann zu kämpfen. Kinder und Eltern probten im kleinen "Wichtelhausen" den großen Aufstand, malten Protestschreiben. Die Chefin ging zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt Vogtland juristisch gegen den Verein vor. Sie argumentierten, dass "Wichtelhausen" nicht schutzwürdig ist. Nun nach rund zwei Jahren hält Gudrun Zießmer stolz die Löschung der Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt in den Händen. "Wir meinten, dass ,Wichtel' ein Begriff aus der Sagen- und Märchenwelt ist und ,-hausen' eine typische Endung für Ortsbezeichnungen. ,Wichtelhausen' ist also ein Ort für Zwerge und Kobolde und führt nicht zwingend dazu anzunehmen, dass es sich um einen Aufenthaltsort für kleine Kinder handelt", erläutert Gudrun Zießmer. Das Deutsche Patent- und Markenamt schloss sich der Meinung der Vogtländer an und teilte nun mit, dass die Wortmarke gelöscht wurde. Das feierten die Reichenbacher Kinder und Erzieherinnen natürlich mit einem großen Wichtelfest.