Fußball - die schönste Nebensache der Welt. Ganz Deutschland freut sich auf die WM im Jahr 2006. Das Logo des Fußballfestes allerdings stößt im In- und Ausland auf wenig Gegenliebe.Gemeinsam mit Fifa-Boss Sepp Blatter und ein paar anderen Herren hat Beckenbauer für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ein Logo ausgesucht, das nicht nur bei den Fachleuten helles Entsetzen ausgelöst hat.
Die Entscheidung über das Erkennungszeichen des Top-Ereignisses fiel bereits im Sommer 2002, und niemand weiß, ob sich die verantwortlichen Herren von Fifa und Organisationskommitee vorher Mut angetrunken haben, als sie geheim am grünen Tisch über dem Entwurf grübelten. Beckenbauer behauptet jedenfalls mit bayerischem Weißwurscht-Gemüt, er fände, "ja gut, das Logo sehr gelungen", weil es "heiter und freundlich" sei.
Auch Blatter und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sind nach der ersten vernichtenden Kritik direkt ins Pressing übergegangen und erklärten das Werk kurzerhand für "hübsch". Blatter, im verbalen Flachpass unschlagbar, hat zusätzlich auch noch behauptet, das Logo symbolisiere "Geist, Mut und Dynamik" der Deutschen. Das tut weh wie eine Blutgrätsche von "Katsche" Schwarzenbeck. Fraglos ist der Versuch, dem Welt-Ereignis des Jahres 2006 ein grafisches Format zu geben, grässlich misslungen: Drei grinsende Smarties gruppieren sich um einen weiteren Kreis mit stilisiertem Weltpokal.
Auch der Laie versteht sofort, warum die Fachwelt bestürzt ist über den Entwurf der Agenturen "abold" (München) und "Whitestone" (London), denen aufgrund "guter Beziehungen" der Auftrag zugeschustert wurde.
Für das Emblem haben sie ein saftiges Honorar kassiert, dessen Höhe der DFB nicht verraten will - warum wohl? Was Experten wie den Hamburger
Star-Designer Peter Schmidt aber noch mehr aufregt: Das Ausland macht sich lustig über die unkreativen Deutschen, die jetzt auch noch so designen wie sie Fußball spielen. "Eine Katastrophe", sagt Schmidt gegenüber der RUNDSCHAU, "ich bin in höchstem Maße schockiert".
Mit diesem "scheußlichen Logo" werde Deutschland "international blamiert". Tatsächlich ist es bereits weltweit auf Befremden gestoßen: Das niederländische "Dagbladet" erkannte nur "bemalte Kürbisse", mit denen man "unverkleidet Halloween" feiern könne. Und die brasilianische Zeitung "O Globo" spottete böse über die "Ecstasy-Pillen" aus Deutschland.
Auch ganz normale Fußballfans haben beim Betrachten der vier bunten Kreise das Gefühl, als habe ein ABC-Schütze im Malunterricht versucht, die Teletubbies zu zeichnen. "Es hat keinen Charakter, keinen Stil, ist oberflächlich und albern", findet Kritiker Klaus Ehlers aus Mainz. Hunderte fassungsloser Fans haben sich im Internet zu Wort gemeldet und ihrer Bestürzung Ausdruck gegeben, dass Deutschland es wagt, mit solch einem Entwurf an die Weltöffentlichkeit zu gehen. Auszüge: "Mieses Design", "unglaublich schlecht", "echt Sch . . .", "primitiv". "Na gut, Beckenbauer ist begeistert, aber der findet ja auch seine Brille toll."
Blieb die Resonanz im Internet und in der Presse bei den Verantwortlichen noch trotzig unbeachtet, so meldet sich mittlerweile eine Front empörter Experten zu Wort, die das "hingerotzte Logo" (Berliner Tagesspiegel) nicht widerspruchslos hinnehmen will. Unter Federführung der Professoren Fons Hickmann (Berlin) und Klaus Hesse (Düsseldorf) haben elf der kreativsten Design-Studios Deutschlands beschlossen, dem gestalterischen Desaster eine phantasievolle Alternative entgegenzusetzen. Bis Mitte März will jede dieser Agenturen ein eigenes Logo entwerfen, unter denen dann die beste Idee ausgesucht werden soll. Initiator Hesse: "Drei Jahre Lächerlichkeit im Vorfeld der WM kann keiner ertragen."

Mehr zum Logo auf der WM-Homepage: http://fifaworldcup.yahoo.com/de/06/loc/e/index.html