Inmitten neuer Spekulationen über Mehrkosten und den Zeitplan für den Hauptstadtflughafen BER hat sich der Aufsichtsrat am Freitag ein eigenes Bild der Lage gemacht. Technikchef Horst Amann führte das Gremium mit den Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), etwa eine Stunde durch das Abfertigungsgebäude in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Anschließend zog sich der Aufsichtsrat zu Beratungen zurück, die am Abend noch andauerten.

Er erwarte, dass der Aufsichtsrat einen Fahrplan und Details zu den aktuellen Kosten bekannt gebe, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto, der auch Mitglied des Flughafen-Untersuchungsausschusses des Abgeordnetenhauses ist. In dem Gremium, das das Debakel um die dreimal verschobene Flughafen-Eröffnung aufklären soll, kam es am Freitag zum ersten Streit.

Sie kämen nur im "Schneckentempo" voran und beschäftigten sich nicht mit den Themen, die wirklich interessierten, kritisierte die Linke-Abgeordnete Jutta Matuschek. "Wir drängen darauf, uns möglichst schnell den Managern der Flughafengesellschaft und den Politikern im Aufsichtsrat zuzuwenden." Mitglieder der anderen Fraktionen widersprachen: Die dünne Aktenlage lasse Zeugenbefragungen und ein Ende der Beweisaufnahme noch nicht zu.

Der Ausschuss durchleuchtet derzeit die frühe Planungsphase des Flughafens. Im Januar sollen die ersten Zeugen befragt werden, darunter der ehemalige SPD-Fraktionschef Klaus Böger und Staatssekretär Alexander Straßmeir (CDU). Für Februar stehen Ex-Regierungschef Eberhard Diepgen (CDU) und der frühere Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafenholding, Hans-Olaf Henkel auf der Liste.

Nach wie vor ist im Terminal des neuen Airports die Brandschutzanlage nicht betriebsbereit. Eine Serie von Tests zum Rauchabzug war zuletzt erfolgreich verlaufen. Allerdings fehlt das Herzstück, die komplexe elektronische Steuerung. Der Flughafen soll deshalb erst am 27. Oktober 2013 eröffnet werden, zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

Zentrale Themen im Aufsichtsrat waren mögliche Mehrkosten des Projekts und der Fortgang der Bauarbeiten. Dass der Eröffnungstermin nochmals verschoben werden muss, wurde nicht erwartet. Amann sollte über eine angebliche Mehrbelastung durch Bauaufträge in Höhe von 250 Millionen Euro Auskunft geben. Fraglich ist, ob diese Summe durch die 1,2 Milliarden Euro gedeckt ist, die von den Gesellschaftern Bund, Berlin und Brandenburg als Mehrkosten bereits bewilligt wurden. Zuletzt wurden die Gesamtkosten des Flughafens Berlin Brandenburg auf 4,3 Milliarden Euro beziffert. Zu Baubeginn im Jahr 2006 waren zwei Milliarden Euro kalkuliert.