Seit Staatskanzlei-Chef Clemens Appel am Beispiel Kümmernitztal vorrechnete, wie sinnlos die Verteilung der Mittel aus dem Konjunkturpaket mit der Gießkanne ist, hat es die Gemeinde zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. 24 000 Euro, so verkündete Appel in der SPD-Fraktion, kommen gemäß der Vereinbarung mit den kommunalen Verbänden in Kümmernitztal an. "Det is zu wenich", entfährt es Regina Langfeld. Sie ist seit fünf Jahren stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde, die zum Amt Meyenburg gehört. "Wir haben hier einen riesengroßen Nachholbedarf." Über Jahre sei die Gemeinde mit den Ortsteilen Grabow, Buckow, Preddöhl und Felsenhagen verschuldet gewesen. Haushaltssicherungskonzepte verhinderten Investitionen. "Seit 2008 sind wir wieder schuldenfrei. Und darauf sind wir stolz.""Die 24 000 Euro sind ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Langfeld und zuckt die Schultern. Rund 250 000 Euro umfasst der Haushalt. Als Zugabe gibt es nun zehn Prozent mehr. "Wir brauchen ein Gemeindehaus in Grabow, wir brauchen Straßen, Gehwege, Laternen, ein neues Dach für den Jugendclub, einen Versammlungsraum", zählt die 52-Jährige auf. Zwei Drittel des Geldes muss für Bildung im weitesten Sinne ausgegeben werden, sagt das Gesetz. Eine Schule gibt es in Kümmernitztal nicht. Auch keine Kita, nur "Tagesmutti Monika Dietrich" in Preddöhl. "Aber die zählt wohl nicht als förderfähig." Vielleicht klappt es ja mit dem Jugendclub in Buckow. "Da treffen sich etwa ein Dutzend Jugendliche regelmäßig." Das Haus braucht ein neues Dach, neue Elektrik, eine Klärgrube."Das Wichtigste aber wäre ein Gemeindehaus in Gra bow", sagte Langfeld. "Da könnten sich die von der Feuerwehr oder die Rentner mal treffen - und die Gemeindevertreter." Denn auch die haben im Ort keinen Raum. "Und in Grabow haben wir nicht mal ein Wahlbüro. Bei den Kommunalwahlen 2008 sind wir in die Kirche ausgewichen." Wie das Geld verteilt wird, muss nun die Gemeindevertretung entscheiden. "Parteien haben wir hier eigentlich nicht", sagt die parteilose Langfeld. Als das Land den Großteil der Mittel selbst verteilen wollte und das Gießkannenprinzip geißelte, wehrten sich die Verbände der Kommunen. Der Vorsitzende des Landkreistages, Karl Heinz Schröter (SPD), hielt entgegen: "Genau das will der Bund, nämlich dass das Geld in den Kümmernitztälern dieses Landes ankommt." Das findet auch Langfeld. Könnte sie sich einen Verzicht auf Geld zugunsten eines "Leuchtturm-Projektes" vorstellen? "Nö, überhaupt nicht. Wir sind so arm dran."