Von Benjamin Lassiwe

Es hat lange gedauert, aber nun ist ein erfolgreiches Ende in Sicht: In einer Gemeinschaftsunterkunft der katholischen Caritas im Landkreis Oder-Spree sind die ersten 32 Jesidinnen und Jesiden eingetroffen, die das Land Brandenburg im Rahmen des im Dezember 2016 vom Landtag beschlossenen Landesaufnahmeprogramms nach Deutschland geholt hat.

Die in Syrien und dem Nordirak lebende religiöse und ethnische Minderheit wurde vom sogenannten „Islamischen Staat“ besonders verfolgt. Die Vereinten Nationen und das Europäische Parlament sprechen in diesem Zusammenhang von einem Völkermord.

Wie der amtierende Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt (SPD), am Freitag vor Journalisten in Potsdam sagte, sollten mit dem Programm Menschen nach Deutschland geholt werden, denen nach den Erlebnissen in der Gefangenschaft des IS vor Ort nicht adäquat geholfen werden könne.

„Bei den Biografien der Frauen ist in fast jedem Fall eine Geschichte von Vergewaltigung und Versklavung dabei“, sagte Gorholt. Mehrere Frauen seien erst Anfang 2019 aus der Gefangenschaft des IS freigekommen. Insgesamt will das Land 72 Personen nach Deutschland holen. Nur in einem Fall habe man eine Einreise aus Sicherheitsgründen ablehnen müssen.

Das Land Brandenburg fördert das Aufnahmeprogramm sowie ein Gemeinschaftshaus im Nordirak mit jeweils 500 000 Euro.

In den Koalitionsverhandlungen von SPD, CDU und Grünen werden aber bereits die nächsten Aufnahmeprogramme etwa für verfolgte Christen beraten, von denen künftig jährlich etwa 200 nach Brandenburg kommen dürften. Die Leiterin des Amtes für Ausländerangelegenheiten im Landkreis Oder-Spree, Katja Kaiser, erklärte, „wir sehen die ethische Verpflichtung, diese Minderheit, die so viel Leid erfahren hat, zu unterstützen und den Betroffenen eine neue Perspektive zu eröffnen.“

In der Unterkunft bemühe man sich darum, den Menschen einen strukturierten Tagesablauf zu vermitteln. „Wir haben Fachkräfte gewinnen können, die sich um Themenkomplexe wie psychologische und Sozialbetreuung kümmern“, sagte Kaiser.

Die Vorsitzende der Hilfsorganisation Hawar.help, die Journalistin Düzen Tekkal, machte darauf aufmerksam, dass sich viele Frauen nicht als Opfer, sondern als Überlebende ansehen. Ihr Ziel sei es, „die Mörder und Vergewaltiger vor einen Strafgerichtshof zu stellen.“