So wie 2000 andere Interessenten will die 42-Jährige aus Groß Lindow (Landkreis Oder-Spree) das auch tun, ist deshalb am Wochenende dem Aufruf zum Frankfurter Jobforum gefolgt. Ob sie als gelernte, aber arbeitslose Erzieherin hier eine Chance hat, bezweifelt die zweifache Mutter allerdings.
Sieben Firmen, die meisten davon Neuansiedlungen an der Oder, bieten insgesamt mehr als 1000 Arbeitsplätze in rund 50 Berufen an. Wer da nicht schnell zugreift, ist selber schuld, dachten sich Tausende in der strukturschwachen Region Ostbrandenburg, in der aktuell 36 500 Menschen als arbeitslos gemeldet sind. Und so drängen sich auch noch vor dem Kleist-Forum etwa 3000 Jobsuchende nicht nur aus dem Frankfurter Umland, der Lausitz und sogar aus Berlin, sondern auch rückkehrwillige Frankfurter, die ihre Heimat aufgrund der schlechten Arbeitslage einst verließen. Aus Sicherheitsgründen können sie nur gestaffelt eingelassen werden. "Jeder Interessent bekommt seine Chance", beruhigt Martin Wilke, Chef des Investorcenters Ostbrandenburg und einer der Organisatoren des Jobforums. "Die Veranstaltung wird auch im Internet übertragen, Ihnen entgehen also keine wichtigen Infos", versucht er zu trösten.

Alter ist nicht entscheidend
Nicht nur Wilke ist offenbar von der riesigen Resonanz überrascht. Auch die Firmen-Vertreter aus der Solarbranche, dem Call-Center-Bereich und der Chipproduktion können sich an ihren Infoständen vor Anfragen kaum retten. Im großen Saal des Kleist-Forums lauschen Hunderte den Erläuterungen der Unternehmenschefs zu Fachkräftebedarf, Arbeitsanforderungen und Firmenprofil. Jedes Detail wird eifrig notiert. Dass auch Interessenten eine Chance haben, die keine branchenspezifische Berufsausbildung haben und vor allem das Alter nicht die ausschlaggebende Rolle spielt, wird mit zufriedenem Nicken quittiert.
Derart motiviert stürzt sich auch das Ehepaar Wiesnewski in den Bewerbungsmarathon. Dichtes Gedränge herrscht vor allem an den Ständen der drei Solarfirmen Odersun, First Solar und Conergy, Europas Marktführer in der Solarbranche. "Wichtig ist, dass sie bereit sind, sich zu verändern, neu anzufangen und dazu zu lernen", erklärt Conergy-Werksleiter Andreas von Bandemer. Physiker, Chemiker oder Mechatroniker würden ebenso benötigt, wie Bürokräfte und Produktionsarbeiter. Der gelernte Maurer Jörg Wiesnewski hat sich bereits bei allen drei Solarfirmen schriftlich beworben. Er kann sich vorstellen, Anlagen zu warten oder in anderen Technikbereichen etwas ganz Neues zu lernen. "Alles andere, nur nicht mehr den schlecht bezahlten Job bei dem Wachschutzunternehmen."

Gubenerin wirbt mit Erfahrung
Nichts dem Zufall überlassen will Monika Scheures aus Guben, die sich in den vergangenen Jahren mit ständig wechselnden Gelegenheitsjobs herumplagen musste. "Ich habe früher als Technologin im Frankfurter Halbleiterwerk gearbeitet und auch schon Erfahrungen mit der Bearbeitung von Silizium", wirbt sie für sich und reicht eine dicke Bewerbungsmappe über den Beratungstisch von First Solar. Die Hefter mit den Klarsichtfolien stapeln sich dort bereits nach kurzer Zeit. "Da sind im Ingenieur- und Technikbereich auf alle Fälle einige vielversprechende Fachleute dabei", freut sich First Solar- Geschäftsführer Heiner Eichermüller. "Das Gros der 400 Mitarbeiter, die wir im kommenden Jahr einstellen wollen, finden wir auch in der Region", ist er überzeugt.
Genau das war auch das Anliegen des Jobforums, freut sich Martin Wilke vom Investorcenter Ostbrandenburg. "Da können die Neuangesiedelten beruhigt sein - an Arbeitskräften aus der Region wird es nicht mangeln." Anfang nächsten Jahres plant er bereits individuelle Veranstaltungen für Arbeitssuchende separat mit den einzelnen Firmen. Möglicherweise, überlegt Wilke, sollte man auch das Jobforum wiederholen.