Erleichterung im Kongo: "Wir haben unseren Auftrag erfüllt und die Lage stabilisiert, ohne einen einzigen Schuss abzugeben", freute sich gestern Oberstleutnant Peter Fuss von der rund 2000 Mann starken EU-Truppe in der Hauptstadt Kinshasa.
Die Fallschirmjäger der Bundeswehr und andere europäische Soldaten sowie UN-Soldaten auch aus Afrika, die im Stadtbild bewusst Präsenz zeigten, wurden gestern beglückwünscht. Nach knapp dreitägigem, von Gewalt geprägtem Chaos normalisierte sich das Leben in der Metropole am Kongo-Fluss allmählich wieder. Ein am Vorabend mühsam ausgehandelter Waffenstillstand erwies sich als tragfähig.
Allerdings hat die Glaubwürdigkeit der kongolesischen Politiker, die auf dem schwierigen Weg von einer Übergangsregierung in eine demokratisch legitimierte Institution vom Kurs abkamen, ernsthaft gelitten. Der Friedensprozess, auf den die internationale Gemeinschaft setzt, ist zerbrechlich.
Präsident Joseph Kabila betonte gestern, er bleibe dem demokratischen Prozess weiter verpflichtet. Nach seinen Erklärungsversuchen stand ein eigenmächtig handelnder Kommandeur am Anfang der verhängnisvollen Spirale der Gewalt, die Kinshasa knapp drei Tage in Atem hielt.
Fraglich bleibt jedoch, ob das gegenseitige Misstrauen des Spitzenkandidaten bei der Präsidentenwahl, Kabila, und seines schärfsten Kontrahenten, Jean-Pierre Bemba, eine störungsfreie Stichwahl Ende Oktober überhaupt noch zulässt. Schon ertönen daher Rufe, das auf vier Monate befristete Mandat der EU-Truppe zu verlängern.
Am Kongo beobachten deutsche Soldaten gespannt vor dem Fernseher die politische Debatte in der Bundesrepublik um die Weiterführung des Bundeswehr-Einsatzes. "Wir Soldaten gehen fest davon aus, dass dieses Mandat am 30. November beendet wird", meinte Eufor-Sprecher Fuss. Doch die Absicherung der demokratischen Wende setzt Stabilität voraus, wie sie die Präsenz der internationalen Truppen bei den jüngsten Gefechten nun vorübergehend gesichert hat. Das entschlossene Auftreten der ausländischen Soldaten erwies sich als hilfreich in einem Land, das nach jahrelangem Krieg mit rund vier Millionen Toten eine von Willkür, Gewalt und Chaos geprägte Geschichte hat.
Doch Preis und Risiken sind enorm. Allein die 17 000 UN-Soldaten im Kongo, einem Land, das mit über 2,3 Millionen Quadratkilometern siebenmal so groß ist wie die Bundesrepublik, kosten die internationale Gemeinschaft pro Jahr eine Milliarde Dollar. Es ist die teuerste Friedensmission der Vereinten Nationen überhaupt. Hinzu kommt eine weitere halbe Milliarde für die Präsidenten- und Parlamentswahl. Eine gewaltige logistische Aufgabe, die ohne Hilfe von außen kaum möglich ist.
Doch der Kongo mit seinen 60 Millionen Menschen ist nicht nur wegen seiner Rohstoffe auch für den Rest der Welt von Interesse. Gelingt es, das an neun Staaten grenzende frühere Zaire dauerhaft zu befrieden, könnte es eine nachhaltige Wende für Afrikas Image als "Chaos-Kontinent" voller Kriege, schwerer Krisen und Katastrophen einleiten.