Um so schöner, dass der Samstagabend gleichzeitig als 10-jähriges Jubiläum des Vereins zur Förderung des historischen Weinanbaus in Schlieben e.V. mit vielen Gästen gefeiert wurde, die zum Teil von weit her kamen. Dr. Eberhard Brüchner als Chef aller Schliebener Hobbywinzer freute sich sehr, dass ihm beim Grußwort von einem der Tische Hartmut Strobel zuwinkte. Er war der „Geburtshelfer“ des Schliebener Vereins und mit einer 20-köpfigen Gruppe aus Plochingen/Stuttgart gekommen. Kein Zufall, dass beide Vereine zueinander fanden, denn die Plochinger pflegen schon seit 20 Jahren den historischen Weinanbau, wie Josef Gauland, der Vereinschef erzählte.
Charmant und voller Liebreiz eröffnete die sächsische Weinkönigin Antje Wiedemann, an ihrer Seite die Schliebener Moie Christiane Lange, die „Entdeckungsreise der Weine 2002“ . Und eigens dazu war auch der Wein-Schriftsteller Werner Böhme gekommen, der abwechselnd mit Antje Wiedemann die Weine nach „Gesicht, Geschmack und Bukett“ vorstellte und manche Schmunzeleien am Rande zu erzählen wusste.
Zunächst war es ein Goldriesling, trocken, Jahrgang 2002 aus Meißen, zum Qualitätswein ausgebaut, der leicht und fruchtig ins Glas und dann den Gaumen hinunter rann. Ihm folgte der Müller-Thurgau, Schliebener Langer Berg, 2002, der ebenso wie die halbtrockene Sorte und die folgenden jungen Weine - Weißburgunder, trocken, Radebeuler Lößnitz, Kabinett und Bacchus halbtrocken vom Schliebener Langen Berg - „schon jetzt gut munden und berechtigte Hoffnung geben, dass sie nach längerer Lagerung ihre volle Güte zeigen.“ So beurteilte Frank Hanke vom Jessener Weingut die Proben. „Besonders der Bacchus“ , so sein Tipp, „dürfte der Wein für junge Leute werden, leicht, mit dem gewissen Etwas, richtig zum Feiern.“
Vor dem siebten Glase schließlich bekannte Ihre Majestät dass „die Vorstellung von Mal zu Mal schwerer - oder wie man's nimmt - leichter wird.“ Dabei lauschte die Weinkönigin in den Saal, wo der Rebensaft schon die Zungen gelöst hatte und ein fröhliches Wort-Geplänkel in der Luft lag. So war es an der Zeit, dass Dr. Brüchner die Gäste aufforderte, einmal „vor die Tür“ zu gehen. Kein Rausschmiss, sondern die Aufforderung, schon einmal das Galabuffet mit den Augen zu liebkosen, bevor die Dinge nach den letzten Weinproben verspeist werden durften.
Mit Freuden sahen sich die Gäste also hungrig an den Pasteten, an Fleisch, Fisch, Gemüse, Salat und kunstvollem Backwerk; jedes Häppchen anders, manches gar mit Trüffeln mariniert und garniert, teils südländisch teils nordisch - und natürlich auch schliebenerisch - angerichtet.
Doch die Traminer Auslese, lieblich, vom Radebeuler Goldenen Wagen, Jahrgang 2000, und als einziger Rotwein ein Dornfelder trocken aus dem Bereich Meißen, der bereits ein Jahr gelagert war, zogen noch einmal die Aufmerksamkeit zurück an die Tische. Die Frauen vom Weinbauverein hatten schon wieder die Gläser gefüllt, und es bleibt zu verraten, dass mancher „trockene Weinfan“ in Erinnerung an den Traminer gar lieblich ins Schwärmen kam.