Sie sind Bestandteil eines "lebendigen Adventskalenders", der nun bereits zum fünften Mal Gebäude und besondere Orte zu beiden Seiten der Neiße in überdimensionale Türchen verwandelt.
Bis zum 24. Dezember öffnet sich täglich um 17.30 Uhr ein Portal. Ob Privathaus, Firmensitz, Amtsstube oder Kirche - hinter jeder Tür kommen nach dem obligatorischen "Lichtel-Gedichtel" Geschichten zum Vorschein, die eng mit dem Gebäude, seiner Nutzung und den darin wirkenden Menschen verbunden sind. Und die lassen sich eine Menge einfallen, um ihren Bestandteil der Kalendertour zu einem besonderen Ereignis werden zu lassen: Musik, Erzählungen und Vorführungen, ja selbst Akrobatik und gemeinsames Backen und Basteln gab es in den letzten vier Jahren zu erleben - als vorweihnachtliches Geschenk von Bürgern für Bürger gewissermaßen.
So machen sich denn auch während der gesamten Adventszeit viele Kinder und Erwachsene auf die Suche nach den 24 ausgewählten Orten. Zu erkennen sind sie am prachtvollen und stets originellen Schmuck und der jeweiligen Datumszahl. Weil es aber nahezu unmöglich ist, alle im gesamten Stadtgebiet verteilten Türchen ohne Hilfe ausfindig zu machen, werden geheimnisvollen Orte täglich neu auch in der lokalen Presse vorgestellt. An manchen Tagen standen dann schon bis zu 500 Leute vor der Tür, um sich überraschen zu lassen.
Rund 100 Orte in Görlitz und der polnischen Schwesterstadt Zgorzelec wurden bereits zu Türchen, seit Gabi Kretschmer, Gemeindereferentin der katholischen St.-Jakobus-Gemeinde, gemeinsam mit weiteren Görlitzer Initiatoren im Jahr 2002 die erste "Bürger-Bewegung" ins Leben rief. Zwar stehen die Kirchen und damit der religiöse Kern von Advent und Weihnachten nur an relativ wenigen Tagen - meistens sonntags - im Mittelpunkt des Görlitzer Adventskalenders. Weil aber in den vergangenen vier Jahren das Interesse an ihnen stets besonders groß war, sieht die Initiatorin ein wichtiges Ziel erreicht, nämlich buchstäblich Kirchentüren zu öffnen in einer Region, die kaum noch christlich geprägt ist.
Dieses Engagement blieb übrigens auch dem Bonifatiuswerk der katholischen Kirche in Deutschland nicht verborgen. Es dekorierte den Görlitzer "lebendigen Adventskalender" im November dieses Jahres mit dem erstmals vergebenen "Bonifatius-Preis". Der Adventskalender, so betonte die Jury, erfülle alle Kriterien für ein zeitgemäßes Miteinander von Menschen unterschiedlichster Generationen und Herkunft, und zeichnete die jährlich "Bürger-Bewegung" mit den 24 Türchen und den 24 Überraschungen unter 180 Projekten als eine vorbildliche Aktion aus, die christliches und allgemein bürgerschaftliches Engagement verbindet.