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Auf Spurensuche nach dem Feuer

Brandspezialistin Anja Kranick im Einsatz. Auch auf großräumigen Flächen muss eine akribische Spurensuche erfolgen.
Brandspezialistin Anja Kranick im Einsatz. Auch auf großräumigen Flächen muss eine akribische Spurensuche erfolgen. FOTO: Polizei
Cottbus. Wenn Häuser, Schuppen, Autos in Flammen aufgehen, macht sich schnell Angst breit, ein Brandstifter könnte unterwegs sein. In vielen Fällen kann die Polizei bald Entwarnung geben. In den anderen braucht sie viel Geduld. Simone Wendler

Es waren immer kleine Brände. Ein trockenes Gebüsch, ein Stück Waldboden, Mülltonnen. Fast 90-mal brannte es innerhalb von drei Jahren in der Nähe einer Kleinstadt im Spree-Neiße-Kreis, ehe die Polizei einen Tatverdächtigen schnappte, der später in zweiter Instanz auch verurteilt wurde. Für Kriminalhauptkommissar Frank Höer keine ungewöhnliche Ermittlungsdauer: "Brandstifter zu überführen ist schwierig, gerade bei Serientätern braucht man viel Geduld."

Höer ist seit acht Jahren Brandermittler in Cottbus / Spree-Neiße. Die Polizeiinspektion hat eine Ermittlungsgruppe, die eng mit den Spezialisten der Kriminalpolizei der Direktion und des Landeskriminalamtes (LKA) zusammenarbeitet. An Höers Seite steht dabei ein weiterer Kollege und Kriminalkommissarin Anja Kranick, die ein halbes Jahr lang dafür eine spezielle Ausbildung bekam.

Rund 300 Brandfälle untersucht das Team pro Jahr. Denn hinter jedem Feuer könnte auch eine Straftat stecken: Versicherungsbetrug, Verdeckung eines Einbruchs, vielleicht sogar versuchter Mord.

Verteilersteckdosen in Reihe

Oft ist es jedoch nur Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt, der die Flammen auslöste. Höer und Kranick können reihenweise Beispiele nennen. Da wird vor einer Wand an einem Rohr geschweißt, und auf der Rückseite der Wand stehen Kartons. "Das Rohr leitet die Hitze, die Kartons gehen in Flammen auf", erklärt Anja Kranick.

Oder eine Sauna wird eingeschaltet, ohne vorher zu schauen, ob sich noch ein Handtuch oder ein hölzerner Aufgusseimer auf dem Ofen befindet. Auch angeschmorte Steckdosen, in Reihe geschaltete Mehrfachverteiler, schadhafte Elektrogeräte haben die Ermittler schon als Feuerauslöser ermittelt.

Um an einem Brandort der Ursache auf die Spur zu kommen, brauchen Höer und Kranick viel Wissen: Physik, Chemie, auch Biologie, Bautechnik, Elektrotechnik. "Wichtig ist zunächst der Ort, an dem das Feuer ausgebrochen ist", sagt Anja Kranick.

Sogar in völlig abgebrannten Gebäuden seien dazu noch wichtige Details zu erkennen. Wo sind Brandspuren intensiver als an anderen Stellen? Wo sind Reste von Elektrogeräten? Was sagen Zeugen darüber, was vor dem Feuer wo stand? Und auch Kabel seien nach einem Brand nicht verschwunden: "Da brennt nur die Ummantelung weg, das Metall bleibt."

Manchmal werden auch spezielle Spürhunde eingesetzt, die flüssige Brandmittel erschnüffeln. "Die finden einen Tropfen auf einem Fußballfeld", beschreibt Ermittler Höer die hohe Präzision dieser Tiere.

Schlagen die Hunde an, werden Proben zur Untersuchung entnommen und an das LKA geschickt. Brandenburg selbst hat solche Spürhunde nicht. Sachsen und Berlin helfen da aus.

In den acht Jahren seiner Brandermittler-Tätigkeit erlebte Frank Höer auch tragische Fälle. Zum Beispiel den eines Mannes, der in seiner Werkstatt mit Farbsprühdosen hantierte und dann zum Schweißgerät griff. "Fein versprühte Farbe auf seiner Kleidung fing Feuer, er verbrannte", beschreibt der Polizist die fatale Kettenreaktion.

Fahndungserfolg durch Zeugen

Kommen die Brandermittler zu der Überzeugung, dass ein Feuer absichtlich gelegt wurde, beginnt die Suche nach dem Zündler. Das ist immer wieder in der ganzen Region der Fall, wie einige Beispiele zeigen.

Anfang September wurden durch die Hilfe von Zeugen zwei Heranwachsende gefasst, die eine Strandbar am Senftenberger See angesteckt haben sollen. Täter, die in der Nähe kurz davor einen Kiosk und einen Imbisswagen abfackelten, werden noch gesucht. Ende August brennen an zwei Tagen hintereinander zwei Scheunen in der Nähe von Großräschen, auch das vermutlich durch Brandstiftung. In Cottbus konnte die Polizei im Juni einen Mann festnehmen. Er soll in einem elfstöckigen Hochhaus innerhalb von zwei Jahren fünfmal Feuer gelegt haben.

Noch nicht geklärt ist eine Reihe von Bränden in Cottbus. Seit Jahresbeginn gingen hier eine Vielzahl von Mülltonnen und kürzlich in zwei Nächten auch zwölf Autos in Flammen auf. Zu diesen Ermittlungen hüllt sich Frank Höer in absolutes Schweigen. "Wir geben uns Mühe", sagt er nur und lächelt.

Zum Thema:
Am Landgericht Cottbus läuft ein Prozess gegen mutmaßliche Einbrecher, die in einem Senftenberger Mietshaus Feuer gelegt haben sollen, um Spuren zu verwischen.Im April erhielt ein geständiger 23-Jähriger aus dem Elbe-Elster-Land zwei Jahre Haft auf Bewährung. Er hatte im Zustand verminderter Schuldfähigkeit erst kleine Wald- und Wiesenflächen, dann auch Schuppen und Scheunen angezündet. An den Schadenersatzforderungen wird er bis an sein Lebensende zahlen.Auch ein junger angehender Feuerwehrmann, der in Niesky ein Dutzend Mal zündelte, bekam im Februar 2016 eine Bewährungsstrafe und die Auflage, sich in therapeutische Behandlung zu begeben.Im August 2015 erhielt eine Frau aus Schleife eine empfindliche Geldstrafe wegen fahrlässiger Brandstiftung. Sie hatte in ihrem Aschenbecher, der auf einem Polsterhocker stand, eine Zigarette ausgedrückt und damit einen Wohnungsbrand ausgelöst. Nachbarn mussten evakuiert werden.Im Februar 2014 verurteilte das Amtsgericht Weißwasser einen Mann zu einer Haftstrafe auf Bewährung. Er hatte Mülltonnen angezündet und im Keller des Hauses, in dem er selbst wohnte, einen Brand gelegt, der schnell gelöscht wurde. Im März 2014 sprach das Landgericht Cottbus nach zweijähriger Verhandlung einen 24-Jährigen frei. Er war angeklagt, zwei Postautos und eine Laube in Spremberg angezündet zu haben. Dem Gericht reichten die Beweise für eine Verurteilung nicht aus.