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Auf Schnupper-Tour an einer modernen Universität

Zukunftstag an der BTU Cottbus-Senftenberg: Am Donnerstag hatten Schülerinnen und Schüler aus der Region die Möglichkeit, beim bundesweiten Zukunftstag verschiedene Fakultäten kennenzulernen und sich über Studienmöglichkeiten zu informieren.
Zukunftstag an der BTU Cottbus-Senftenberg: Am Donnerstag hatten Schülerinnen und Schüler aus der Region die Möglichkeit, beim bundesweiten Zukunftstag verschiedene Fakultäten kennenzulernen und sich über Studienmöglichkeiten zu informieren. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus/Senftenberg. Was in Sachsen noch immer der Girl´s Day ist, heißt in Brandenburg lange Zukunftstag. Gleich ist, dass sich Schüler in Betrieben und Hochschulen ein Bild von einer möglichen Ausbildung machen. Dabei hat es den Sachsen Stefan Winkler nicht davon abgehalten, am Donnerstag an der BTU Cottbus-Senftenberg zu schnuppern. Christian Taubertund Anja M. Lehmann

Stefan Winkler aus Großenhain ist pünktlich in Cottbus. Er sitzt unter den mehr als 150 Mädchen und Jungen im Hörsaal 2 des Audimax auf dem Zentralcampus in Cottbus. Einige junge Leute werden wie auch beim Zukunftstag in Senftenberg später noch dazustoßen. Der Lokführer-Streik bei der Bahn hat sie ausgebremst. "Mit dem Interesse sind wir durchaus zufrieden" sagt Christiane Land von der Studienberatung, die im Schnelldurchgang Studienmöglichkeiten und -bedingungen vorstellt.

Der Gymnasiast Winkler hört genau zu: "Ich muss mich ja bald entscheiden", sagt er später. Besonders der Architektur-Studiengang hat es ihm angetan. Schon lange. In der 9. Klasse hatte er bereits ein Praktikum in einem Dresdner Architekturbüro absolviert und Feuer gefangen. "Die BTU ist eine sehr moderne Uni", schildert der 17-Jährige und vergleicht mit der TU Dresden und der Bauhaus-Universität in Weimar. "Ich staune auch über das extrem gute Betreuungsverhältnis an der BTU."

Als Stefan Winkler wenig später mit mehr als 50 Schnupper-Schülern in einem Atelier der Fakultät Architektur und Stadt- und Regionalplanung sitzt, sammelt Cottbus weiter Punkte. Jeder Student habe hier seinen eigenen Arbeitsplatz. "In Berlin", schildert Jens Brinkmann vom College der Fakultät, "da müssen die Studenten nach Hause gehen und ihre Arbeiten anfertigen."

Obwohl der Großenhainer im Abi den Physik-Leistungskurs belegt hat, kommen für ihn technische Studiengänge nicht infrage. Diese Tendenz gibt es bundesweit. Und dennoch kann sich Dr.-Ing. Thomas Hinze darüber freuen, dass gut 25 Schüler seine Ausführungen zur Informatik, mit der sich die faszinierende Welt der Computer entdecken und erklären lässt, hören wollen.

Julia Piater aus der 9. Klasse des Niedersorbischen Gymnasiums in Cottbus macht ihm mit ihren Nachfragen sogar ein wenig Hoffnung, dass diese Studienrichtung etwas für sie sein könnte. "Spannend ist das", sagt Julia. "Aber wir müssen unserer Lehrerin genau berichten, was wir hier erlebt haben. Für mich kommen eher die Umweltwissenschaften infrage." Wie ihre Mitschülerinnen will sie aber unbedingt die gebotene Gelegenheit eines Probestudiums vor dem scharfen Start wahrnehmen. Im Juni haben Studieninteressenten die Möglichkeit, je eine Woche lang am Unialltag samt "echten" Vorlesungen teilzunehmen und mit Lehrenden ins Gespräch zu kommen.

Mit der gerade vollzogenen Fusion von BTU Cottbus und Fachhochschule Senftenberg können die jungen Leute nichts anfangen. Dagegen erinnern sich die Maschinenbau-Studenten Robert Smyk aus Golzow und Roy Baganz aus Friedrichsaue (beide aus Märkisch-Oderland) noch genau, dass sie vor zwei Jahren ihr Studium hier abbrechen wollten. "Niemand wusste, ob und wie unsere Abschlüsse anerkannt werden", erklärt der 25-jährige Smyk. Sie seien dann doch geblieben, weil sich die Ungewissheit mit der Neugründung aufgelöst habe. Jetzt stehen sie kurz vor ihrer Abschlussprüfung im Fach Fahrzeugtechnik.

Wie die Zehntklässlerinnen Lena Knöfel und Anna Erpel vom Gymnasium in Luckau beim Zukunftstag in Cottbus wissen auch Ben Schmidt und Eric Franke in Senftenberg noch nicht so recht, in welche Studienrichtung der Zug rollen soll.

"Ich fand es sehr interessant, einmal hinter die Kulissen zu schauen und einen Blick in den Hörsaal zu werfen", sagt Ben Schmidt vom Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda. Wie seine Freunde will der Neuntklässler den Studienort nach der Studienrichtung auswählen. "Ich fand die Studienberatung hilfreich, und die Praxisbeispiele", fügt Eric Franke hinzu. Gefallen hat auch das Freizeitangebot in Senftenberg und der überschaubare Campus im Grünen. Und der Senftenberger See sei nur zwei Kilometer entfernt.

Die kurze Entfernung zu den Eltern könnte für Ole Weber aus Finsterwalde ausschlaggebend sein, sich an der BTU in Senftenberg einzuschreiben. Der Neuntklässler interessiert sich für Informatik und Technik, möchte nach dem Abitur Maschinenbau studieren. Da bot sich ein Besuch der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik an. "Wir haben mit Stahl experimentiert und die Zugkraft des Metalls gemessen", schildert Ole. Auch Tom Mature spielt gerne am Computer. "Mir gefällt es hier ganz gut. Aber ich habe mein Praktikum in einem Kindergarten absolviert, das könnte ich mir auch vorstellen", sagt der Gymnasiast. Tom und Ole kennen die landläufige Meinung, dass man mit Abitur und einem Studium bessere Chancen habe. "Aber ein Studium ist kein Muss", sagt Ole.

Um gerade auch Mädchen für Technik und Naturwissenschaften zu interessieren, führt Agnieszka Nelz ihre Besucher-Gruppe zum Algenreaktor. "Das begeistert, oder?", fragt die Lebensmittelchemikerin und erläutert die Algenproduktion.

Gerade seltenere Studiengänge wie Angewandte Chemie und Instrumentalpädagogik locken Studierende an den Senftenberger See. "Vorhin hat ein Interessent aus Indonesien angerufen, der bei uns Instrumentalpädagogik studieren möchte", berichtet Studienberaterin Heike Postelt. Mit 9000 Studierenden in mehr als 70 Studiengängen ist die BTU zweitgrößte Hochschule und die einzige Technische Universität in Brandenburg. Fast 20 Prozent der Studierenden kommen aus mehr als 100 verschiedenen Ländern der Welt in die Lausitz.

Lebensmittelchemikerin Agnieszka Nelz zeigt Schülern des Elster-Schloss-Gymnasiums Elsterwerda den Algenreaktor.
Lebensmittelchemikerin Agnieszka Nelz zeigt Schülern des Elster-Schloss-Gymnasiums Elsterwerda den Algenreaktor. FOTO: aml