Am Gitterzaun vor den drei weißen Zelten hängen noch ein paar Pullover. Es ist herbstlich-kühl, aber manche der jungen Männer tragen Flip-Flops und Jogginghosen. "Die Zelte sind beheizt?", fragt Gerda Hasselfeldt. Die Chefin der CSU-Abgeordneten im Bundestag ist am Dienstag in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ins fränkische Roth gekommen.

Auf dem großen Areal, das zur Otto-Lilienthal-Kaserne gehörte, leben zurzeit 850 Flüchtlinge, die meisten aus Syrien und dem Irak. Es ist ein Besuch, um weiter zu erspüren, worüber die Politik diskutiert: Belastungsgrenzen.

Die Zelte sind winterfest, wie Rainer Männer erklärt. Er leitet die Einrichtung, in der die meisten Flüchtlinge nur für einige Tage oder Wochen bleiben. Man hört das Rauschen der Ventilatoren mit warmer Luft.

Im Zelt-Inneren hängen Dutzende Handys an Ladekabeln. Stellwände für Messestände grenzen einzelne Schlafräume ab, mit jeweils vier Etagenbetten. Dazwischen ist nicht viel Platz für die acht Bewohner. "Für eine Erstaufnahme ist das in Ordnung", sagt Hasselfeldt. Bei einem längeren Aufenthalt könnten solche Achterzimmer aber schon problematisch sein.

Auf dem Gelände sieht sich die 65-Jährige eher zurückhaltend um. Zu große Zurückhaltung gegenüber dem flüchtlingsfreundlichen Kurs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werfen ihr indes auch Teile der eigenen Partei vor. Bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion Ende September bekam Hasselfeldt geballten Unmut zu spüren, Merkel doch endlich stärker Kontra zu geben.

Andererseits steht die Bundestags-CSU generell in einem Spagat zwischen München und Berlin. Und Hasselfeldt zieht einen Teil ihres Einflusses auf die Kanzlerin daraus, besonnen und hartnäckig, aber eben nicht als Lautsprecherin zu agieren.

Die Flüchtlingskrise ist für sie nun eine besondere Gratwanderung - zwischen Merkels "Wir schaffen das" und den Attacken von CSU-Chef Horst Seehofer dagegen. Dabei hält auch Hasselfeldt die Belastungsgrenzen in Bayern für überschritten. Sie war es dann, die das Thema Transitzonen für Asylbewerber ohne Bleibechancen an den deutschen Grenzen anstieß. Konkrete Details sind noch ziemlich im Vagen.

Der Union hat es als Nebeneffekt aber schon geholfen, die aufgewühlten eigenen Reihen wieder mehr zu schließen - und gemeinsam die SPD ins Visier zu nehmen, die klar gegen solche "Massenlager" Front macht. Wie sehr die Flüchtlingskrise die Schwesterparteien überhaupt voneinander entfremdet, muss sich zeigen.

Merkel tut - wie schon bei anderen Reibereien mit der CSU - bisher nichts, um den Konflikt öffentlich anzuheizen. Aufschlussreich dürfte spätestens der CSU-Parteitag Ende November in München werden. Dann kommt Merkel zum traditionellen Grußwort auf eine gemeinsame Bühne mit Seehofer.