Eines dürfte nach den Parteitagen der großen polnischen Parteien am vergangenen Wochenende feststehen: Nach den Parlamentswahlen im Herbst wird eine Frau mit brünetter Kurzhaarfrisur an der Spitze der Regierung stehen. Ob es sich dabei um Amtsinhaberin Ewa Kopacz oder die nationalkonservative Abgeordnete Beata Szydlo handelt, müssen die mehr als 30 Millionen Wähler entscheiden - die Kampagne dürfte hart werden.

Die Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) kürte die 52-jährige Szydlo am Samstag in Warschau zu ihrer Kandidatin für das Amt der Regierungschefin. "Die Polen wollen einen Generationswechsel", sagte Parteichef Jaroslaw Kaczynski. "Wir haben schon den Präsidenten, wenn wir uns Mühe geben, schaffen wir auch den Regierungschef."

Dass mit Andrzej Duda im August der Präsidentschaftskandidat der PiS als neuer polnischer Präsident vereidigt wird, gilt auch als Verdienst von Szydlo. Sie war Dudas Wahlkampfmanagerin und präsentierte den zu Jahresbeginn noch eher unbekannten Europaparlamentarier so gut, dass er gegen den unschlagbar erscheinenden Amtsinhaber Bronislaw Komorowski triumphierte. Duda selbst brachte Szydlo als künftige Spitzenkandidatin der PiS ins Gespräch.

Dabei ist Jaroslaw Kaczynski der unbestrittene Alphawolf der PiS. Er hatte die Partei zusammen mit seinem Zwillingsbruder, dem 2010 tödlich verunglückten damaligen Präsidenten Lech Kaczynski, gegründet und seitdem geführt. Doch sein kompromissloser, oft konfrontativer Stil hat in der Vergangenheit viele vor den Kopf gestoßen. Kaczynski ist aber auch Vertreter einer noch sehr traditionell erzogenen Generation, für den es selbstverständlich ist, Frauen mit galantem Handkuss zu begrüßen. Im Wahlkampf gegen eine Frau könnte er da kaum so aggressiv auftreten wie etwa gegen Kopaczs Vorgänger Donald Tusk.

Zudem hatte Dudas Erfolg gezeigt, dass ein milderes Auftreten zum Erfolg führen kann. Am Samstag bescheinigte Kaczynski Szydlo "Mut und Entschlossenheit", lobte ihre politische Erfahrungen auf verschiedenen politischen Ebenen und pries sie dafür, dass sie trotz ihres politischen Engagements noch die Zeit gefunden habe, als Frau und Mutter ihren heimischen Haushalt zu führen - ein versöhnliches Signal an all jene PiS-Wähler, die den Platz der Frau weiterhin vor allem in Haushalt und Küche sehen. In - nicht repräsentativen - Internetumfragen meinten am Sonntag 56 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass die PiS mit Szydlo als Spitzenkandidatin bessere Siegeschancen hat. Erste Reaktionen der politischen Gegner waren skeptisch.

"Reines Marketing", meinte Rafal Grupinski, der Fraktionschef der liberal-konservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) und erinnerte daran, dass Kaczynski schon vor zehn Jahren erklärt hatte, er werde das Regierungsamt nicht übernehmen - nur um wenig später den damaligen PiS-Regierungschef Kazimierz Marcinkiewicz abzulösen.

Doch als "Marionette" des Parteichefs war auch schon Ewa Kopacz bezeichnet worden, als sie im vergangenen Jahr die Nachfolge von Donald Tusk antrat. In dem sich nun abzeichnenden Duell der Politikerinnen befindet sie sich in der Defensive - Umfragen sehen die PiS derzeit in der Wählergunst deutlich vor der PO.

Ewa Kopacz regiert seit nicht einmal einem Jahr, doch nach acht Jahren Regierungszeit sahen viele PO-Politiker Macht und Einfluss als zunehmend garantiert an, wie eine Abhöraffäre um belauschte Politiker im vergangenen Jahr deutlich machte. Auf dem jüngsten Parteitag nun bat Kopacz die Basis einmal mehr um Verzeihung für die Fehler der Vergangenheit.

Ob das aber reicht, um verprellte Wähler wieder zurückzugewinnen, das wird sich im Herbst zeigen.