" Also auch dann, wenn er auf Mallorca kurzurlaubt, frühstückend im Hotel von der "Bild"-Zeitung erwischt wird und sich unbequeme Fragen stellen lassen muss.

Das ist Innenminister de Maizière jetzt passiert. Der CDU-Mann urlaubt, während in Deutschland die Flüchtlingskrise tobt, für die er zuständig ist, und die Große Koalition um eine gemeinsame Linie ringt. So jedenfalls der Vorwurf.

Erinnerungen werden wach an einen anderen Minister, an Rudolf Scharping. Ebenfalls auf Mallorca turtelte der damalige SPD-Verteidigungsminister 2001 mit seiner Lebensgefährtin Gräfin Pilati, ging sogar beherzt im Pool mit ihr baden und ließ sich dabei von der Zeitschrift "Bunte" ablichten. Ganz Deutschland echauffierte sich daraufhin, denn die Bundeswehr stand vor ihrem schwierigen Einsatz in Mazedonien.

Doch der Fall ist anders gelagert. Scharping hatte eine Absprache mit den Fotografen getroffen. Die ganze Aktion wirkte geschmacklos und deplaziert. De Maizière ist kein Lebemann, er brauchte wohl nur eine Auszeit. Es sei nötig gewesen, "das er sich mal ein paar Tage ausruht", zitiert "Bild" die Ehefrau.

Sein Sprecher schob am Montag nach: "Die Situation besonderer Arbeitsbelastung dauert ja schon länger an und wird auch noch nicht in Kürze vorüber sein." Außerdem sei der Urlaub schon länger geplant gewesen. "Der Minister war selbstverständlich auch während seiner körperlichen Abwesenheit täglich in die Informations- und Entscheidungsprozesse des Hauses eingebunden."

Zur Kabinettssitzung am vergangenen Mittwoch reiste er extra zurück. Danach gab der CDU-Mann noch überraschend eine Pressekonferenz, auf der er sehr tatkräftig und entschlossen auftrat. Schon damals wurde kolportiert, de Maizière sei ein paar Tage nicht in Berlin. Empören wollte sich am Montag niemand, "Skandal" rief auch keiner. Auch Politiker sind halt nur Menschen. Fakt ist, der Innenminister hat lange Zeit eine schwere Erkältung mit sich herumgeschleppt. Er fiel zwischenzeitlich sogar mal aus.

Trotzdem kann in Krisenzeiten so ein Urlaub gefährlich werden. Vor allem dann, wenn man sowieso politisch angeschlagen ist - oder einem die Lage zu entgleiten droht. Bei de Maizière war das zumindest zu Beginn der Flüchtlingskrise der Fall. Inzwischen tritt er deutlich resoluter auf. Seine Anwesenheit bei den Krisengipfeln der Koalition am Sonntag war wohl nicht erforderlich, da Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) inzwischen der Koordinator für diesen Bereich ist.

Vielleicht hat die Kanzlerin deshalb kein Problem damit, wenn ihr Innenminister mal urlaubt - de Maizière ist für Angela Merkel womöglich verzichtbarer geworden.