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Auf der Suche nach Ursache und Umständen

Abgeriegelt ist das Gelände des Reiseunternehmens Reimann-Reisen in Löbau, zu dessen Fuhrpark der Unglücksbus gehörte.
Abgeriegelt ist das Gelände des Reiseunternehmens Reimann-Reisen in Löbau, zu dessen Fuhrpark der Unglücksbus gehörte. FOTO: LausitzNews.de/jke1
Cottbus/Münchberg. Das verheerende Busunglück mit 18 Toten in Oberfranken wirft zahlreiche Fragen auf. Die Suche nach der Ursache und den Umständen läuft auf Hochtouren. Die Bussicherheit rückt in den Fokus. Kathrin Zeilmann und Christian Taubert

Am Tag nach dem verheerenden Busbrand auf der Autobahn 9 in Oberfranken gibt es noch keine Antworten auf die entscheidende Frage: Wie konnte es zu der Katastrophe kommen, bei der 18 Menschen ihr Leben verloren? Die Ursachenforschung läuft auf Hochtouren. "Es ist bestürzend für uns, weil wir mit dem Verkehrsmittel so eng vertraut sind, und weil wir eigentlich nur gut gelaunte Menschen in die schönsten Gegenden Europas befördern", sagt Frank Rüdiger-Gottschalk der RUNDSCHAU.

Der 52-Jährige ist Vorstandsmitglied des Verbandes der Omnibusunternehmen Brandenburgs. "Noch ist es unerklärlich, wie es zu dem Unglück kommen konnte", betont Rüdiger-Gottschalk. Und er warnt vor Aktionismus. Schlussfolgerungen für die möglicherweise noch bessere Sicherheit von Reisebussen ließen sich erst nach einer gründlichen Ursachenanalyse ableiten. "Vieles ist hier noch völlig schleierhaft", verweist der erfahrene Busunternehmer, der seit 1991 mit seinem "Reisedienst Westprignitz" am Markt ist und mit der Bus-Flotte jährlich eine Million Kilometer unter die Räder nimmt, auf die Fakten: Der Unfallbus war erst drei Jahre alt, hatte im April den Tüv bekommen. Es waren zwei Fahrer an Bord. Zudem war die Tour an den Gardasee gerade erst losgegangen. Da gebe es nichts zu bemängeln.

Frank Rüdiger-Gottschalk erinnert sich gut, dass es mit dem Reiseboom in den 1990er-Jahren so manche "Seelenverkäufer" auf den Straßen gegeben hat. Diese Zeiten seien lange vorbei. Es gebe heute ein eng gespanntes Netz von Sicherheitsbestimmungen, die nachgewiesen werden müssen: am Bus und durch die Fahrer. "Alle drei Monate muss sich ein Bus heute einer Sicherheitsprüfung unterziehen. Und das ist richtig so", betont der Prignitzer. Dazu seien neue Fahrzeuge unter anderem mit Notbremsassistenten oder Brandlöschanlagen im Motorraum ausgestattet. Der Fahrer wird über Detektoren auf Gefahren hingewiesen.

Hinzu komme, dass die Busfahrer regelmäßig ihre Befähigung zum Führen von Kraftomnibussen (KOM) neu bestätigen müssen. So würden alle fünf Jahre an zertifizierten Fahrschulen Seminare in fünf Modulen absolviert, um auf dem neuesten Stand etwa in Sachen Lenk- und Ruhezeiten oder im Umgang mit der Technik zu sein.

Über einen zweiten Fahrer im Reisebus, so Rüdiger-Gottschalk, müsse das Unternehmen entscheiden. So seien zweimal pro Woche Fahrten über zehn Stunden - mit Ruhezeiten - zugelassen. Ansonsten liege der Maximalwert bei neun Stunden.

Die Frage aller Fragen heißt: Wieso geriet der Bus so rasch in Flammen? Um diese Frage mit Gewissheit zu beantworten, müssen erst die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft abgewartet werden. Der Brandschutz in Bussen ist ein komplexes Thema. Seit 2015 sind Brandmelder vorgeschrieben, die den Fahrer optisch und akustisch warnen, wenn es zu heiß im Motorraum wird. Das gilt allerdings nur für ab 2015 ausgelieferte Busse. Ältere Modelle mussten nicht nachgerüstet werden.

Für Siegfrid Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, ist der Brandmelder sowieso nur die "kleine Lösung": Effizienter wäre eine Sprinkleranlage im Motorraum. Immerhin wird der Fahrer gewarnt, kann die Passagiere möglicherweise noch rechtzeitig aussteigen lassen - und mit dem Feuerlöscher, der an Bord vorgeschrieben ist, vielleicht noch selbst zu löschen versuchen. Für problematisch hält Brockmann die Innenausstattung der Busse.

Bei der Bahn gebe es genaue Vorschriften, dass keine leicht entflammbaren Materialien verbaut werden dürfen, bei Reisebussen dagegen nicht. "Für Busse müssen die Vorschriften der Bahn übernommen werden", fordert Brockmann deshalb.

Der Lastwagen war nach Worten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit etwa 30 Kilometern pro Stunde unterwegs, als es zu dem Aufprall kam. Der Bus hatte den Angaben nach 60 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho. Für Situationen wie diese gibt es eigentlich ein Notbrems-Assistenzsystem. Völlig offen ist allerdings im Moment, ob ein solches System bei dem Unglück zum Einsatz kam. Allgemein greift das System, wenn beispielsweise Hindernisse auf der Fahrbahn sind.