Viele von ihnen haben darunter gelitten - entweder weil sie gar nichts über ihren Vater wussten oder weil ihre Herkunft als Schande galt. Manche finden erst im Rentenalter den Mut, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen. Die Bundesregierung hat den "Kriegskindern" nun angeboten, ihnen auf Wunsch auch einen deutschen Pass auszustellen. Im Unterschied zu vielen anderen hatte ihm seine Mutter nie verheimlicht, dass sein Vater ein deutscher Soldat war. Sauval wusste auch, dass sein Vater in Deutschland bereits verheiratet gewesen war und dort zwei Kinder hatte. Als 25-Jähriger hatte er einen ersten Versuch unternommen, seinen deutschen Wurzeln nachzugehen. Er bekam die Adresse der ersten Frau seines Vaters heraus und schrieb ihr einen Brief. "Diesen Brief habe ich aber nie abgeschickt, ich hatte zu viel Angst, etwas in ihrem Leben kaputtzumachen", sagt er. Vermutlich habe die Frau ja nicht geahnt, dass ihr Mann noch einen Sohn in Frankreich hatte. Erst vor sechs Jahren fasste er sich noch einmal ein Herz und machte sich erneut auf die Suche. Sein Vater war zu dem Zeitpunkt längst gestorben, aber er bekam die Adressen seiner Halbgeschwister heraus. "Ich habe meine Schwester und meinen Bruder gefunden. Das kann man gar nicht beschreiben, was ich gefühlt habe", sagt er mit belegter Stimme. Erika Klaudy, seine acht Jahre ältere Schwester, erinnert sich noch gut, wie sie ihren französischen Halbbruder vor fünf Jahren zum ersten Mal besucht hat. "Kurz bevor wir ankamen, hatte ich Angst und wollte zurückfahren. Aber dann stand er schon auf der Straße und hat mich in den Arm genommen", erzählt Klaudy.Seitdem sehen sich die Halbgeschwister regelmäßig. Klaudy findet es schade, dass ihr Vater ihnen nie gesagt hat, dass er noch einen Sohn hatte. Sauval hatte Glück, dass er seine zweite Familie fand - viele andere sind noch immer auf der Suche. "Ich weiß von meinem Vater nur den Vornamen und dass er immer fröhlich war", sagt Jea ni ne Nivoix-Sevestre, Vorsitzende des "Vereins der Kriegskinder". Und selbst das habe sie erst spät herausgefunden. "Meine Mutter ist im Krieg ums Leben gekommen, ich bin von meiner Tante großgezogen worden. Die hat niemals von meinen Eltern gesprochen", erzählt Nivoix-Sevestre. Ein Klassenkamerad war es, der sie schließlich über die Herkunft ihres Vaters aufklärte. Heute hat sie ihren Frieden damit geschlossen und setzt sich mit ihrem Verein dafür ein, dass möglichst viele "Kriegskinder" ihre deutschen Wurzeln finden. Von den etwa 230 Mitgliedern haben die Hälfte Kontakt zu ihren Halbgeschwistern.