Dorthin, wo sein Vater 1941 im Zweiten Weltkrieg gefallen war.Walter Nicklisch war fünf Jahre alt, als er seinen Vater zum letzten Mal sah. Damals, so erzählt er, war der 31-jährige Soldat auf Heimaturlaub, bevor er an die Ostfront verlegt wurde. Zurück aber kamen nur dessen persönliche Dinge. Alfred Richard Nicklisch starb am Ortsrand des heutigen Stanislawowka. Das zumindest ließ sich aus dem Wehrpass ablesen, wie der Elsterwerdaer sagt. 2004 umgebettetMithilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge schließlich konnten die Gebeine des Vaters gefunden und 2004 auf einem Soldatenfriedhof nahe Kirowograd umgebettet werden. "Mein Ziel war es immer, meinen Vater zu besuchen - und man wird ja auch älter", erzählt der Rentner. Also ging es mit dem Auto und einem Freund, der russisch spricht, im vorigen Jahr auf die 1648 Kilometer lange Reise. "Ich war innerlich sehr aufgewühlt und aufgeregt, als ich vor dem Friedhof stand", erinnert sich Walter Nicklisch und zeigt auf ein Foto. Inmitten von sattgrünen Wiesen erhebt sich ein großes Granitkreuz, das in einem Rondell steht. Ein paar Schritte weiter reihen sich steinerne Stelen aneinander. "Darauf sind die Namen und Daten der gefallenen Soldaten notiert. 150 Namen auf jeder Seite", erklärt der Elsterwerdaer. Die Stele, auf der der Name seines Vaters stehen soll, ist zwar noch nicht fertig. Dafür findet Walter Nicklisch zwischen den lediglich durch jeweils drei Kreuze markierten Reihen die letzte Ruhestätte seines Vaters, die ein weiteres Foto zeigt: Unter einem jungen Baum ist ein wenige Zentimeter großes Einsteckschild zu sehen, darauf der Name des Vaters. Nicht mehr und nicht weniger. Für Walter Nicklisch aber ist es das, was er sein Leben lang gesucht hat. "Es ist ein beruhigendes Gefühl zu sehen, dass mein Vater in einer so schön gepflegten Anlage liegt", sagt der 72-Jährige. Tränen habe er in den Augen gehabt und auch ein paar Worte zu dem Vater gesprochen. "Ich stand da vor ihm und stellte mir immer wieder die Frage, warum musste dieser Krieg sein und solch ein Leid über die Menschheit bringen", erinnert er sich.Ein Brief zum AbschiedGanz ohne etwas zu hinterlassen, wollte der Elsterwerdaer jedoch nicht heimkehren. Ein Blumengebinde mit einem Brief an seinen Vater ließ er dort. Darin ist zu lesen: "Endlich, nach 67 Jahren, ist es mir vergönnt, hier in Kirowograd, wo Du Deine letzte Ruhestätte gefunden hast, Dir meine letzte Ehre zu erweisen. Ich habe Dich immer vermisst." Walter Nicklisch lächelt: "Auch wenn ich ihn nicht noch einmal persönlich gesehen habe, so habe ich jetzt doch ein Gefühl der inneren Zufriedenheit."Im Frühsommer soll die Stele mit dem Namen seines Vaters errichtet werden. Doch der Elsterwerdaer wird dann nicht dabei sein. Er bekomme Bilder, das reiche ihm. Denn das Wichtigste hat er getan: Abschied nehmen von dem so lange vermissten Vater.