"Die Anfragen häufen sich", sagte der Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche im Freistaat, Matthias Oelke. Oft gehe es darum, eine Art Spiritualität in einem geschützten Raum wieder zu entdecken. Religiöse Hintergründe spielten dabei nicht vordergründig eine Rolle. Die katholische Kirche habe mit Gemeinschaften und Klöstern traditionell vielfältige Möglichkeiten, auf Wünsche nach Einkehr einzugehen. "Wir beobachten zunehmend ein Bedürfnis, sich intensiver mit Religion und dem eigenen Glauben zu beschäftigen", schätzt der Sprecher des Bistums Dresden- Meißen, Michael Baudisch, ein.

Verzicht auf LuxusBeliebte Orte zur Besinnung und Einkehr seien die traditionsreichen Zisterzienserinnenklöster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau (Kreis Bautzen) und St. Marienthal in Ostritz (Kreis Görlitz), das Benediktinerkloster in Wechselburg an der Mulde (Kreis Mittelsachsen) oder der Dominikanerkonvent in Leipzig. "Viele kommen aus einer schwierigen Situation heraus", hat Stefan Vogt vom Gästeempfang in St.

Marienthal festgestellt. Als mögliche Anlässe nennt er den Verlust des Partners, Stress im Betrieb, familiäre Probleme oder eine persönliche Enttäuschung. Oft verzichteten die Leute sehr bewusst auf Luxus. "Es werden erstaunlicherweise die ganz einfachen Zimmer gebucht", sagt Vogt. Die Gäste wollen in die Nähe der im Kloster lebenden Schwestern sein und nehmen in Kauf, zur Dusche und Toilette über den Gang zu gehen.

"Wir könnten mehr Gesprächsmöglichkeiten und Raum haben", sagt Pater Gabriel Heuser vom Benediktinerkloster in Wechselburg. Drei Zimmer für einzelne Gäste bieten die Mönche an. Hinzu kommen 50 Betten im Jugend- und Familienhaus für Gruppen. Der Trend, dass sich mehr Menschen für eine Zeit aus dem Alltag zurückziehen wollen, könne auch eine Folge des größeren Bekanntheitsgrades der Einrichtungen sein, mutmaßt der Benediktiner.

"Die Leute melden sich eher kurzfristig an", sagt Heiner Bludau vom evangelischen Haus der Stille in Grumbach bei Dresden. Ob eine im Jahresprogramm angekündigte Veranstaltung stattfinde, wisse der Pfarrer oft zwei Wochen zuvor noch nicht. Meist kämen Gäste mit dem Bedürfnis nach einem Gespräch. "Vier Tage Schweigen gehen heute weniger."

Stille Tage im SchweigenEigentlich war das Haus zu DDR-Zeiten mit diesem Zweck entstanden. Schweigen sei eine Art Fasten, um sich nicht von Plaudereien ablenken zu lassen. Einmal im Monat gibt es in Grumbach stille Tage ohne Übernachtung. "Das kommt den Menschen am nächsten."

Zur Besinnung soll auch die "Via Sacra" im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck führen. Die etwa 550 Kilometer lange Route verbindet 16 sakrale Bauwerke und Kunstschätze. Auch wenn Orte wie St. Marienstern und St. Marienthal am Weg liegen, folgt die Heilige Straße eher touristischen Aspekten.dpa/das