Herausgeputzt und hoch zu Ross schreiten Konrad der Große, Friedrich der Streitbare und August der Starke vor der Kulisse der barocken Altstadt in Dresden vorbei an Hunderttausenden Menschen. Mit Jubelrufen und Dauerbeifall heißen die Schaulustigen während des historischen Festumzugs zum 800. Geburtstag der Stadt Dresden die wiederbelebten Herrscher willkommen.
Mit dem Umzug erreichten die Geburtstagsfeierlichkeiten ihren Höhepunkt. Drei Jahre lang hatten die Vorbereitungen für den 400 000 Euro teuren Festumzug gedauert. Petrus muss deshalb wohl ein Einsehen gehabt haben: Sowohl vor als auch nach der Parade bedeckten Regenwolken den Himmel. Allein während des Umzugs zeigte sich die Sonne.
In rund zwei Stunden ließen fast 5000 Darsteller die bewegte und jahrhundertealte Geschichte der sächsischen Landeshauptstadt vor den staunenden Augen des Publikums Revue passieren. Unter der Regie von Joachim Schlese wurde in mehr als 80 opulenten Bildern ein Historienmarathon ausgetragen, der inhaltlich eine Brücke von der Besiedlung durch die Slawen um das Jahr 500 bis zur Gegenwart schlug.
Während die Dresdner Bäckerinnung mit einer meterhohen Geburtstagstorte, auf der 800 Kerzen prangten, als Gratulant den Umzug anführte, feierte die Parade mit dem "Lebendigen Fürstenzug" eine Premiere: Erstmals hauchten Darsteller dem berühmten Dresdner Wandbild mit den einstigen wettinischen Herrschern Leben ein und brachten damit das größte Porzellanbild der Welt zum Laufen.
Dabei wirkte es, als wären die 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige Sachsens von 1127 bis 1904 sowie 58 Wissenschaftler, Künstler und Handwerker gerade erst von der Mosaikwand am Dresdner Stallhof herabgestiegen. Mit Liebe zum Detail hatten in den vergangenen zwei Jahren Männer und Frauen vom Verein "Der Fürstenzug von Dresden" aus Rochlitz im Landkreis Mittweida die prächtigen Roben der Wettiner und das Zaumzeug der Pferde in Handarbeit gefertigt.
Der insgesamt 3,5 Kilometer lange Umzug wurde auf seiner Route vom Zwinger über den Schlossplatz und zwei Elbbrücken zum sächsischen Landtag dicht gesäumt vom Publikum. Teilweise knieten oder saßen die Menschen auf dem blanken Boden. Manche kletterten an Lichtmasten und historischen Plastiken vor der Hofkirche hoch, um den bestmöglichen Blick erhaschen zu können.
Ein Teil der Zuschauer, wie der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), verfolgten das Spektakel von den 5800 Tribünenplätzen. Zur Freude des Publikums kam der Umzug hin und wieder ins Stocken und ließ einen längeren Blick auf die farbenfrohen und zum Teil schillernden Kostüme zu.
Zu den Glanzstücken des Umzugs gehörten neben dem Fürstenzug unter anderem zwei Modelle der Sächsischen Dampferflotte, die neben der Elbe auf den Pflastersteinen rollten. Vor allem Eisenbahnliebhaber freuten sich über ein Modell der "Saxonia" aus dem Jahr 1839 in Originalgröße, dem ersten Dampfross Deutschlands.
Mit gepuderter Perücke und Reifrock präsentierte sich die Mätresse August des Starken, die Gräfin Cosel, in offener Kutsche. Das wohl schönste der 200 mitwirkenden Pferde, ein Apfelschimmel aus dem sächsischen Landesgestüt Moritzburg, beritt mit verkniffener Miene und in grüner Paradeuniform Napoleon, der in der Schlacht bei Dresden im August 1813 seinen letzten Sieg auf deutschem Boden errang. Im Finale sorgte dann ein exakter Nachbau der Dresdner Frauenkirche in Miniaturformat für neugierige Blicke.